Finanzen 2017 – das ändert sich bei Steuern, Rente & Co

Januar 16, 2017 No Comments »

Steuern, Rente, Pflege – wie jedes Jahr gibt es auch 2017 zahlreiche Änderungen in Sachen Finanzen. Die gute Nachricht vorab: in vielen Bereichen gibt es finanzielle Vorteile für Verbraucher. Teurer wird es bei der Krankenversicherung. Die gesetzliche Pflegeversicherung wird reformiert. Neue Steuerpflichten und eine niedrigere Verzinsung machen klassische Policen für die private Altersvorsorge unattraktiv.

Steuern

Grafik zu Änderungen 2017Die guten Änderungen vorab. Eine vereinfachte Steuererklärung sowie höhere Freibeträge sollen uns im Jahr 2017 das Leben leichter machen. Die bisher starren Belegvorlagepflichten entfallen ab diesem Jahr. Sie werden durch so genannte Vorhaltepflichten ersetzt. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. Bei der Belegvorlage mussten zum Beispiel im Bereich Spenden die Quittungen generell beim Finanzamt eingereicht werden, damit diese steuerlich geltend gemacht werden konnten. Künftig müssen die Spendenquittungen zwar weiterhin aufbewahrt werden. Eine Vorlage beim Finanzamt ist jedoch nur noch auf Anfrage nötig – so genannte Vorhaltepflicht.

Höhere Freibeträge

Positiv können sich die neuen Freibeträge und Pauschalen auf deutsche Verbraucher auswirken. Der Grundfreibetrag steigt in 2017 auf 8.820 Euro für Ledige und 17.640 Euro für Verheiratete im Jahr (2016: 8.652 bzw. 17.304 Euro). Das bedeutet konkret: Wer mit seinem Einkommen unter dieser Grenze liegt, muss keine Steuern zahlen. Ebenso wurde der Höchstsatz bei den Sonderausgaben (z.B. für Vorsorgeaufwendungen) auf 19.625 Euro für Ledige und auf 23.362 Euro für Verheiratete angehoben.

weiterlesen: alle Steuerfreibeträge 2017 im Überblick

Altersentlastungsbetrag sinkt weiter

Der Altersentlastungsbetrag wird einem Steuerzahler über 64 Jahre gewährt. Dieser sinkt jedoch jährlich, und wird 2017 nur noch 20,8 Prozent vom Bruttolohn (max. 988 Euro) betragen.

Umzugspauschale fällt höher aus

Wer berufsbedingt seinen Wohnort wechseln muss, kann dafür eine Umzugspauschale geltend machen. Ab diesem Jahr steigt sie auf 764 Euro für Ledige und auf 1.528 Euro für verheiratete Personen an.

Neue Fristen bei der Steuererklärung

Beim Abgabetermin gibt sich das Finanzamt künftig großzügiger. Nun muss die Steuererklärung spätestens zum 31. Juli eines Jahres vorgelegt werden (bislang Ende Mai). Wer den Termin verpasst, muss mit einer Strafgebühr in Höhe von mindestens 25 Euro rechnen, oder eine Verspätungsgebühr von 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer zahlen. Eine Steuererklärung muss nur abgegeben werden, wenn die jährlichen Einkünfte 11.200 Euro bei Ledigen oder 21.250 Euro bei Ehepaaren übersteigt.

Rente

Neurentner sollten in diesem Jahr ganz genau prüfen, ob sie steuerpflichtig werden. In jedem Jahr steigt der Anteil an der Rente der steuerpflichtig wird um 2 Prozentpunkte an. 2017 sind das 74 Prozent. Im Gegenzug erkennt das Finanzamt 2 Prozentpunkte mehr für die Vorsorgeaufwendungen an. In 2017 sind das 84 Prozent. Gleichzeitig werden auch höhere Unterhaltskosten für eine dritte Person anerkannt. Diese liegen nun bei maximal 8.820 Euro pro Jahr. Hinweis: Die jeweilige Anhebung um 2 Prozent gilt immer nur für Neurentner, die ab dem 01. Januar eines jeden Jahres hinzukommen. Für alle Bestandsrentner ändert sich nichts, der einmal festgesetzte steuerfreie Rentenanteil bleibt bestehen.

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Betriebliche Altersvorsorge wird attraktiver

Die monatliche Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung steigt an. Im Westen auf 6.350 Euro und im Osten auf 5.700 Euro. Damit erhöht sich gleichzeitig auch der Anteil, den Arbeitnehmer steuer- und abgabenfrei in eine Direktversicherung bzw. in eine Pensionskasse oder einen Fonds einzahlen können. Der geförderte Höchstbetrag steigt auf 3.048 Euro pro Jahr.

Private Altersvorsorge

Lebensversicherung

Alle Verbraucher, die nach 2004 eine Lebensversicherung abgeschlossen haben, trifft es nun in diesem Jahr. Für alle Einmalauszahlungen greifen bei diesen Verträgen ab 2017 die neuen Steuerregelungen. Das gilt für alle Kapital- und Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht. Hierbei muss nun die entstehende Differenz zwischen den Versicherungsleistungen und den eingezahlten Beiträgen zu 50 Prozent mit einem individuellen Tarif versteuert werden.

Zins für Riester Rente sinkt weiter

Mit dem Jahreswechsel wurde der Garantiezins für die Riester-Rente weiter nach unten geschraubt. Statt wie bisher 1,25 Prozent soll es nur noch 0,9 Prozent als Garantiezins geben. Damit dürfte sich die Riester-Rente mehr und mehr als Auslaufmodell erweisen. Wichtig hierbei: Der beim Abschluss garantierte Garantiezins gilt für die gesamte Laufzeit. Wer im Jahr 2017 neu abschließt, wird somit nur 0,9 Prozent erhalten. Davor abgeschlossene Verträge werden weiterhin mit 1,25 Prozent verzinst. Die Sparer profitieren jedoch von Überschüssen, wenn der Anbieter gute Erträge erwirtschaftet. Die staatlichen Zulagen gibt es unabhängig davon.

Höhere Grundzulage geplant

Geplant aber noch nicht beschlossen sind höhere staatliche Förderungen für das Riestern. Statt wie bisher 154 Euro, soll die Grundzulage nun auf 165 Euro pro Jahr angehoben werden. Ebenso ist in Planung, dass die private Altersvorsorge künftig nicht mehr vollständig auf die Grundsicherung im Alter angerechnet wird.

Krankenversicherung

Im Bereich der Krankenversicherung kommt es ebenfalls ab 2017 zu Änderungen. Der Wettbewerb nimmt zu. Auf der einen Seite sinkt die Anzahl der Kassen, auf der anderen Seite kann der individuelle Zusatzbetrag weiter angehoben werden. Die 113 Krankenkassen in Deutschland erheben derzeit einen Beitrag zwischen 14,9 und 16,3 Prozent. Der bundesweite Schnitt beträgt aktuell 15,7 Prozent. Einige Krankenkassen haben bereits eine Anhebung angekündigt. So zum Beispiel die AOK PLUS (+ 0,60 %), die Bergische Krankenkasse (+1,39 %), die Bertelsmann BKK (+1,28 %), die BKK Faber-Castell & Partner (+ 0,65 %), die BKK Freudenberg (+ 0,90 %), die BKK Henschel Plus (+ 1,6 %), die BKK MEM (+ 0,60 %) sowie die Continentale Betriebskrankenkasse (+ 1,30 %). Weitere werden sicher folgen.

Einkommensgrenzen steigen

Die Beitragsbemessungsgrenze – das ist der Betrag ab dem der Krankenkassenbeitrag nicht mehr steigt – beträgt im Jahr 2017 52.200 Euro. Das sind 4.350 Euro pro Monat. Die Versicherungspflichtgrenze – das ist der Betrag ab dem gesetzlich Versicherte in die private Krankenversicherung wechseln können – steigt auf 57.600 Euro. Das sind 4.800.00 Euro pro Monat.

Pflegeversicherung

Der Beitragssatz für die Pflegeversicherung steigt auf 2,55 Prozent für Eltern und auf 2,8 Prozent für Kinderlose an. Hiermit soll die umfassende Pflegereform finanziert werden. Im Rahmen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes PSG II wird die gesetzliche Pflegeversicherung komplett umstrukturiert. Die bisherigen 3 Pflegestufen werden durch 5 Pflegegrade ersetzt. Hiermit soll eine bessere Beurteilung des Pflegebedürftigen ermöglicht werden. Das gilt auch erstmals für Demenzkranke. Die Einteilung in die Pflegegrade sowie die entsprechende Zuweisung der Pflegegelder wird nun davon abhängig gemacht, wie selbstständig der Versicherte sein Leben gestalten kann, siehe auch Beitrag zur Pflegereform.

Kinder

Eine weitere Entlastung gibt es für alle Eltern. Der Kinderfreibetrag steigt um 108 Euro auf 7.356 Euro an (inkl. BEA Freibetrag). Dies gilt pro Kind. Zusätzlich können nun maximal 8.820 Euro an Unterhaltskosten abgesetzt werden. Also 168 Euro mehr als im Vorjahr. Das Kindergeld steigt um 2 Euro pro Monat. Für das erste und zweite Kind zahlt der Staat nun 192 Euro. Für das dritte gibt es 198 Euro. Ab dem Vierten beträgt das Kindergeld 223 Euro. Beim Elterngeld sind in 2017 keine Änderungen geplant.

Unterhaltsvorschuss kommt nicht voran

Für 2017 wurden neue Regelungen zum Unterhaltsvorschuss versprochen. Die geplante Reform ist jedoch ins Stocken geraten. Eigentlich sollte die Bezugsdauer des Unterhaltsvorschusses deutlich ausgeweitet werden. Doch durch den Widerstand der Behörden ist unklar, ob und wann eine Reform umgesetzt werden kann. Somit wird der Vorschuss weiterhin nur für 6 Jahre gezahlt, höchstens jedoch bis zum 12. Geburtstag des Kindes.

Alleinerziehende

Hier ändert sich aktuell nichts. Alleinerziehende können weiterhin eine Steuerentlastung beantragen. Diese beträgt seit 2015 1.908 Euro. Für jedes weitere Kind erhöht sich der Freibetrag um zusätzliche 240 Euro.

Geld vom Staat

Mindestlohn steigt an

Lange wurde darüber gesprochen. Nun endlich steigt der gesetzliche Mindestlohn für 2017 erstmals um 34 Cent an. Er liegt nun bei 8,84 Euro brutto pro Stunde. Der neue Mindestlohn gilt auch für Minijobber, allerdings darf die Höchstgrenze im Monat von 450 Euro weiterhin nicht überschritten werden. Sonst fallen Sozialabgaben an.

Mehr Hartz 4

Auch Hartz-IV Empfänger sollen mehr Geld vom Staat ab 2017 erhalten. Für Alleinstehende wurde der Satz auf 409 Euro (2016: 404 Euro) angehoben. Kinder zwischen 6 – 14 Jahren erhalten 21 Euro mehr an Grundsicherung. Asylbewerber erhalten ab diesem Jahr nur noch 332 Euro statt 354 Euro im Jahr 2016.

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