Für wen lohnt sich ein Wechsel in die private Krankenversicherung?

Mai 19, 2015 No Comments »

Für wen sich ein Wechsel in die PKV wirklich lohnt

Eine private Krankenversicherung erscheint vielen Menschen sehr verlockend: zuzahlungsfreie Behandlungen, schnelle Terminvergabe bei Fachärzten, geringe Wartezeiten sowie medizinische Versorgung ohne Kompromisse. Das ganze gibt es häufig auch noch zu wesentlich günstigeren Konditionen als bei den gesetzlichen Kassen. Ein Wechsel bringt tatsächlich viele Vorteile mit sich – allerdings nicht für jeden.

Wer darf wechseln?

Nur bestimmte Personengruppen dürfen sich in der PKV versichern. Hierzu gehören Selbstständige und Freiberufler, Beamte und Beamtenanwärter, sowie Angestellte mit einem Gehalt oberhalb der Versicherungspflichtgrenze, welche derzeit bei 4575 Euro monatlich liegt (Stand 2015). Doch nicht für jeden der wechseln darf, ist dies tatsächlich auch sinnvoll.

Selbstständige und Freiberufler

Für Selbstständige und Freiberufler kann sich der Wechsel in die private Krankenversicherung durchaus lohnen – vorausgesetzt das Lebensalter beträgt nicht mehr als 40 Jahre, der allgemeine Gesundheitszustand ist gut, und es müssen keine Angehörigen mitversichert werden. Da Gewerbetreibende den kompletten Beitrag – auch den Arbeitgeberanteil – selbst zahlen müssen, ist es wahrscheinlich, dass die Beiträge der Privatkasse deutlich unter denen der GKV liegen.

Besonderheiten bei Ärzten und Rechtsanwälten

Ärzte, Steuerberater und Rechtsanwälte – welche zu den Freiberuflern zählen – sind ein besonders gerne gesehenes Publikum in der privaten Krankenkasse. Für diese Berufsgruppen bieten die Versicherungsgesellschaften Verträge mit stark vergünstigten Tarifen an. Freiberufler in künstlerischen Berufen, die über die Künstlersozialkasse versichert sind, sind jedoch in der gesetzlichen Krankenkasse besser aufgehoben. Die Künstlersozialkasse zahlt in diesem Fall wie ein Arbeitgeber die Hälfte des Beitrags. Für privat versicherte Künstler hingegen übernimmt die Künstlersozialkasse nur einen Zuschuss, dessen Höhe vom Einkommen abhängig ist. Zudem zahlen diese Berufsgruppen bei den meisten PKVs Risikoaufschläge, wodurch der Beitrag und damit ein Wechsel letztlich unattraktiv wird.

Beamte und Beamtenanwärter

Beamte und Beamtenanwärter beziehen als Staatsdiener kein klassisches Gehalt für die geleistete Arbeit, sondern eine Besoldung für die Wahrnehmung ihres Amtes. Im Gegensatz zum Arbeitgeber bei Angestellten muss der Dienstherr nicht die Sozialversicherungsbeiträge vom Sold abziehen, und an die Versicherungsträger abführen. Staatsdiener dürfen unabhängig vom Einkommen zwischen der privaten und der gesetzlichen Krankenversicherung wählen. Sie sind für die Überweisung der Krankenversicherungsbeiträge im Prinzip selbst verantwortlich. Beamte erhalten zudem vom Staat eine Beihilfe zur Kranken- und Pflegeversicherung. Da die Beiträge für die private Krankenkasse meist der Höhe der Beihilfe entsprechen, oder nur wenig darüber liegen, entscheiden sich die meisten Staatsdiener für eine Privatversicherung. Die Gesellschaften bieten für Beamte spezielle vergünstigte Tarife an. Für diese Berufsgruppe lohnt sich ein Beitritt in jedem Fall.

Angestellte mit Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze

Angestellte mit einem Gehalt von mindestens 4575 Euro monatlich bezahlen in der gesetzlichen KV den Höchstbeitrag von durchschnittlich 650 Euro. Die Hälfte davon trägt der Arbeitgeber, jedoch verbleibt dadurch noch immer ein monatlicher Beitrag von etwas mehr als 300 Euro. Bei einem privaten Krankenversicherer ist es durchaus möglich, dass der Beitrag wesentlich geringer ist. Jedoch entspricht der Arbeitgeberzuschuss zur PKV genau dem Arbeitgeberanteil der gesetzlichen Krankenkasse. Steigt also der Beitrag in der Privaten mit den Jahren an, oder wählt der Versicherte einen teureren Komforttarif, ist der Arbeitnehmeranteil am Beitrag möglicherweise höher als der Arbeitgeberanteil. Ob der Versicherte bei einem Wechsel tatsächlich Geld spart, müsste im Einzelfall zunächst ermittelt werden.

Schützen Altersrückstellungen vor Beitragserhöhungen?

Die Kosten im Gesundheitswesen steigen allgemein an – dies ist auch an Beitragserhöhungen der gesetzlichen Krankenversicherung deutlich zu erkennen. Die Kosten für die eigene Gesunderhaltung steigen mit zunehmendem Lebensalter ebenfalls. So ist die Sorge um steigende Beiträge bei privat Versicherten durchaus berechtigt. Bei den privaten Versicherern werden aus diesem Grund Altersrückstellungen gebildet. Privatversicherte zahlen zusätzlich zu ihrem Beitrag einen geringen Betrag, aus dem die Altersrückstellung gebildet werden. Auch mit den Beiträgen erwirtschaftete Zinsen fließen in die Rückstellungen für das Alter. Die auch in der privaten Krankenversicherung notwendigen Beitragsanpassungen werden jedoch nur zum Teil durch die Altersrückstellungen abgefedert. Abhängig ist dies natürlich auch von der Höhe der gebildeten Rückstellungen. Wer in ganz jungen Jahren der PKV beitritt, kann höhere Rückstellungen bilden als ein Versicherter, der erst mit über 40 Jahren wechselt. Erfahrungsgemäß steigt der Beitrag im Alter bei vielen Versicherten moderat an. Wer jedoch später nur wenig Rente bezieht, wird sich mit der Zahlung der Beiträge schwer tun.

Lebensalter und Eintritt in die PKV

Eine private Krankenversicherung darf mit Vollendung des 18. Lebensjahres abgeschlossen werden, sofern die Voraussetzungen hierfür gegeben sind. Wer in diesem jungen Lebensalter eine PKV abschließt, wird sich für den besten Tarif entscheiden können, und somit weit unter dem Beitrag der gesetzlichen Kassen liegen. Die Beiträge bleiben mit hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft niedrig, da hohe Altersrückstellungen angespart werden können. Da die Höhe der Beiträge vom Lebensalter abhängig ist, versteht es sich von selbst, dass das Eintrittsalter möglichst gering sein sollte. Bis zu einem Lebensalter von durchschnittlich 35 Jahren haben Versicherte sehr gute Chancen, dauerhaft günstige Beiträgen zu zahlen. Der Abschluss einer günstigen, privaten Krankenversicherung ist auch älteren Personen möglich. Allerdings liegt es auf der Hand, dass die Beiträge wesentlich höher sind als bei jungen Menschen. Auch an die Altersrückstellungen muss gedacht werden: Wer in höherem Alter zur PKV wechselt, kann natürlich nicht die gleiche Summe an Altersrückstellung einzahlen wie ein Mensch, der in sehr jungen Jahren zur PKV gewechselt hat. Das maximale Lebensalter für den Abschluss einer privaten Krankenversicherung liegt bei den meisten Gesellschaften bei etwa 50 bis 55 Jahren. In diesem Alter ist der Abschluss einer Privatversicherung allerdings nicht ratsam. Die Beiträge sind in der Regel mindestens genauso hoch wie die der gesetzlichen Krankenkasse. Außerdem können nur noch wenig Altersrückstellungen mehr getätigt werden, was stetig steigende Beiträge zur Folge hat. Wer in einem Alter über 40 Jahre in eine private Krankenversicherung wechseln möchte, muss mit einem Risikozuschlag rechnen.

Gesundheitszustand

Der allgemeine Gesundheitszustand ist nicht immer eine Frage des Lebensalters – auch sehr junge Menschen können bereits Erkrankungen oder sogar chronische Krankheiten aufweisen. In diesem Fall ist der Abschluss einer privaten Krankenversicherung zwar grundsätzlich möglich, allerdings müssen chronisch Kranke mit einer Ablehnung bei einigen Privatkassen rechnen. Kommt es zu einer Zusage durch den Privatversicherer, müssen Menschen mit Vorerkrankungen Risikozuschläge zahlen, wodurch sich ein Wechsel möglicherweise nicht mehr rechnet.

Persönliche Lebensumstände sind oftmals entscheidend

Nicht Lebensalter und Gesundheitszustand, sondern auch die persönlichen Lebensumstände sind häufig entscheidend für die Frage, ob sich eine Privatkasse lohnt. In der gesetzlichen KV sind sämtliche Familienmitglieder ohne eigenes versicherungspflichtiges Einkommen beitragsfrei mitversichert. In der Privaten hingegen muss für jedes mitversicherte Familienmitglied ein Beitrag gezahlt werden. Zwar bieten die privaten Krankenversicherungen günstige Familientarife an. Jedoch sollten Versicherungsnehmer, die wechseln möchten, eine genaue Beitragsberechnung sowie einen direkten Beitragsvergleich zwischen beiden Versicherungen durchführen. Besteht für der Ehepartner eine Versicherungspflicht in der Gesetzlichen, besteht auch die Möglichkeit den Partner sowie gemeinsame Kinder weiterhin in der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen beitragsfrei abzusichern.

Fazit – für wen lohnt sich die private Krankenversicherung wirklich?

Zum Abschluss einer privaten Krankenversicherung berechtigte Personen, die sich in einem Lebensalter zwischen 18 und 35 Jahren befinden, keine Familienangehörigen mitversichern müssen und keine Vorerkrankungen haben, profitieren stark von der PKV. Günstige Beiträge die auch in späteren Jahren bezahlbar bleiben, bieten ebenso ein entscheidendes Argument für einen Wechsel wie Beitragsrückzahlungen wenn ein Versicherungsnehmer in einem Versicherungsjahr keine ärztlichen Leistungen in Anspruch genommen hat. Die gesundheitliche Versorgung ist je nach gewähltem Tarif wesentlich umfangreicher als in der GKV. Personen zwischen 36 und 45 Jahren sollten das angebotene Preis-Leistungsverhältnis beider Versicherungen (privat oder gesetzlich) genau vergleichen, und private Lebensumstände mit berücksichtigen. Personen ab Mitte vierzig sollten von einer privaten Krankenkasse absehen. Die Beiträge sind bereits bei Abschluss des Vertrags deutlich höher als bei jungen Menschen. Da keine Altersrückstellungen in der benötigten Höhe mehr gebildet werden können, sind höhere Beiträge im Alter sehr wahrscheinlich. Auch Selbstständige mit eher geringem Einkommen, die außer sich selbst noch Familienangehörige versichern müssen, sollten lieber Abstand von der PKV nehmen. Beamte und Beamtenanwärter sind in der Regel noch recht jung, wenn sie in den Beamtenstand treten. Für sie lohnt sich der Abschluss einer Privatversicherung auch dann, wenn Angehörige mitversichert werden müssen, da durch die Höhe der Beihilfe in der Regel nur ein geringer Anteil des Beitrags aus eigener Tasche geleistet werden muss.

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