Zahnzusatzversicherungen ohne Wartezeit – sinnvoll oder nicht?

August 13, 2017 No Comments »

Aufwendige Zahnbehandlungen, Prophylaxe oder Zahnersatz können richtig ins Geld gehen. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt wenn überhaupt nur einen Teil der Kosten. Eine private Zusatzpolice kommt im Optimalfall für den Rest auf. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede bei den Leistungen. Das gilt insbesondere, wenn eine Behandlung kurzfristig ansteht. Wann sich eine Zahnzusatzversicherung ohne Wartezeit lohnt, und was zu beachten ist.

Warum eine private Zahnzusatzversicherung?

Die gesetzliche Krankenversicherung muss im Interesse aller Versicherten eine strenge Kosten-Nutzen-Abwägung durchführen. Um mit den Beiträgen auszukommen, schränkt sie ihre Leistungen daher auf das medizinisch Notwendige ein. Im Zahnbereich übernimmt sie somit nur einfache Füllungen, und beteiligt sich am Zahnersatz mit einer Pauschale. Diese reicht nicht einmal zur Finanzierung von Standardlösungen aus. Wollen Sie jedoch aus ästhetischen Gründen Inlays, Brücken aus Keramik oder gar ein Inlay, erhält Ihr Zahnarzt ebenfalls nur einen Festzuschuss in Höhe von rund 50 Prozent der Standardversorgung. Sie haben also in jedem Fall einen Teil der Kosten selbst zu tragen. Je besser die gewünschte Zahnversorgung, desto höher Ihr Eigenanteil.

Wie funktioniert eine Zahnzusatzversicherung?

Die Zahnzusatzversicherung tritt zu einem bestimmten Teil für diese Restkosten ein. Im Optimalfall können bis zu 100 Prozent abgedeckt werden. Ausschlaggebend dafür sind verschiedene Kriterien. Einerseits sind die Gesamtkosten der gewählten Versorgung wichtig. Andererseits spielt natürlich der gewählte Tarif eine wichtige Rolle. Und genau hier liegen die Unterschiede. Die Tarife für private Zahnzusatzversicherungen unterscheiden sich erheblich in ihren Leistungen. So werden beispielsweise die möglichen Erstattungen sowohl in ihrer Gesamthöhe unterschiedlich gestaltet, als auch in den ersten Jahren summenmäßig begrenzt. Auch die Kosten für prophylaktische Maßnahmen werden in unterschiedlichem Umfang übernommen.

Wichtig: die Gesundheitsprüfung

Die private Zusatzkrankenversicherung führt bei Antragstellung eine Gesundheitsprüfung durch. Sie haben also einige Fragen zu Ihrem aktuellen Zahnstatus zu beantworten. Fehlen bereits Zähne und wurden diese noch nicht ersetzt, sind die Leistungen eingeschränkt. Abhängig von den konkreten Voraussetzungen hätten Sie dann mit einem erhöhten Beitrag oder im Ernstfall auch mit einer Ablehnung des Versicherungsantrages zu rechnen. Der Grund: Die Beiträge sollen stabil gehalten werden. Ein Blick auf die Details in den Versicherungsbedingungen ist in jedem Fall angeraten. Von einzelnen Versicherern wird nämlich der Versicherungsschutz auch mit wenigen oder gar keinen Gesundheitsfragen angeboten.

Was ist eine Zahnzusatzversicherung ohne Wartezeit?

Wartezeiten gibt es nahezu allen privaten Krankenversicherungen. Die Versicherer behalten es sich üblicherweise vor, innerhalb der ersten drei Monate nach Vertragsbeginn keine allgemeinen Krankheitskosten zu erstatten. Für Zahnarztkosten umfasst die Wartezeit sogar acht Monate. Damit stellen die Versicherungsgesellschaften sicher, dass nicht für bereits eingetretene Krankheitsfälle zahlen müssen. Einige Gesellschaften bieten jedoch für genau solche Fälle Tarife an. Hier lassen sich abweichende Wartezeiten vereinbaren, oder es wird ganz auf die Wartezeit verzichtet. Das heißt unter dem Strich: Sie können direkt nach Annahme Ihres Antrags Zahnarztrechnungen für bereits notwendige Behandlungen einreichen. Das mag zunächst irritieren. Liegt es doch auf der Hand, dass die Beiträge explodieren müssen, wenn viele Versicherte mit Behandlungsbedarf diese Angebote ausnutzen. Genau deswegen gibt es einige wichtige Einschränkungen zu beachten.

Unterschiede gegenüber Normaltarifen

Der Beitrag ist höher als bei Normaltarifen. Denn die Versicherer verzichten auf Gesundheitsfragen und/oder Wartezeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass bereits in den ersten Monaten der Vertragslaufzeit Kosten zu erstatten sind, steigt in diesen Fällen deutlich. Trotzdem haben die Gesellschaften zwangsläufig ein Interesse daran, die Beiträge zumindest über einen gewissen Zeitraum hinweg relativ stabil zu halten. Es müssen demnach einige Regelungen vorgesehen sein, welche die Wirtschaftlichkeit dieser Krankenzusatzversicherungen ohne Wartezeiten ermöglichen.

Leistungen sind eingeschränkt

Die Anbieter arbeiten generell mit Leistungsstaffeln, die bei den Tarifen ohne Wartezeiten deutlich restriktiver ausfallen als bei Normaltarifen. Ein Blick in die Tarifbedingungen zeigt dann auch, dass die Leistungen innerhalb der ersten vier Jahre strikt begrenzt sind. Allerdings mit enormen Unterschieden. Sieht der eine Anbieter insgesamt nur 1.000 Euro Leistungen für diesen Zeitraum vor, sind es bei einem anderen bereits 9.000 Euro. Als Ausgleich dürften die Annahmerichtlinien – also die Anforderungen an den Zahnstatus – entsprechend strenger sein. Ebenso wichtig ist der Blick auf die Dauer der Leistungsstaffel. Bei den meisten Anbietern entfallen die Begrenzungen ab dem vierten Jahr der Vertragslaufzeit. Bei anderen ist dies erst ab dem sechsten Jahr der Fall. Darüber hinaus variieren die generellen Höhen der Leistungen für Zahnersatz zwischen 80 und 90 Prozent. Zusatzkosten für Zahnbehandlungen und die professionelle Zahnreinigung werden in der Regel zu 100 Prozent übernommen.

Worauf achten bei der Tarifauswahl?

Im ersten Schritt ist natürlich eine Kosten-Nutzen-Analyse sinnvoll. Stehen konkrete Zahnbehandlungen oder ein Zahnersatz an, stellen Sie die Kosten den im Bedarfsfall zu zahlenden Beiträgen gegenüber. Um diese zu ermitteln, sind jedoch die Tarife ohne Wartezeit detailliert zu untersuchen:

Selbstbeteiligung

Welchen Anteil übernimmt der Krankenversicherer generell für die Kosten, mit denen Sie kurzfristig rechnen müssen?

Gesundheitsfragen

Stellt der Versicherer umfangreiche Gesundheitsfragen, die eventuell zu Problemen bei der Antragsannahme oder höheren Beiträgen führen könnten?

Fehlende Zähne

Sind fehlende und bislang nicht ersetzte Zähne überhaupt versicherbar?

Leistungsausschlüsse

Trägt der Versicherer für einige der für Sie interessante Behandlungen eventuell gar keine Kosten?

Leistungsbeschränkungen

Wie hoch sind die Leistungen im Rahmen der Leistungsstaffel, und über wie viele Jahre wird diese generell vereinbart? Beachten Sie bitte, dass die Leistungsbeschränkungen eventuell separat für Zahnbehandlungen, Kieferorthopädie und Zahnersatz geregelt sind.

Fazit: so lohnt sich eine Zahnversicherung ohne Wartezeit

Es gibt durchaus Fälle, die einen Tarif ohne Wartezeit sinnvoll machen. Zeichnet sich beispielsweise ab, dass das Thema Zahnersatz für Sie in den nächsten Jahren in erheblichem Umfang für Sie relevant wird, empfiehlt sich eine Zahnzusatzversicherung generell. Eine kostenintensivere Variante ohne Wartezeiten kann dann lohnenswert sein, wenn Sie kurzfristig mit Kosten rechnen müssen, die die Krankenkasse nicht übernimmt. Entscheidend ist jedoch immer, dass sich die Beiträge im Verhältnis zum Nutzen rechnen. Da dürften die Normaltarife die Nase vorn haben. Sonderaktionen machen diese umso attraktiver, wenn die Gesellschaft außerordentlich auf Wartezeiten verzichtet.

Im Ernstfall könnte der Kompromiss darin liegen, einen Tarif ohne Wartezeiten abzuschließen, und mit dem Zahnarzt eine zum Leistungsumfang passende Strategie zu entwickeln. Akute Fälle könnten so behoben werden, dass nach Ende der Leistungsstaffel eine große und komfortable Lösung angegangen werden kann.

Tipp: von Sondertarifen profitieren

Einen außerordentlichen Vorteil können Sie erzielen, wenn Sie auf die zeitlich begrenzten Aktionen der Versicherungsgesellschaften achten. So bietet die ARAG beispielsweise noch bis zum 1. September 2017 den Erlass der Wartezeiten in den Normaltarifen zur Zahnzusatzversicherung an. Sie könnten demnach die im Verhältnis günstigeren Beiträge nutzen, und trotzdem sofort nach Versicherungsbeginn eine Kostenerstattung entsprechend des Tarifs erwarten. Voraussetzung ist, dass die Police bis Ende August erstellt wird. Diese Aktion umfasst alle Zahnzusatztarife der ARAG, die ein weites Spektrum abdecken. Kommen für Kinder bevorzugt Tarife in Frage, welche die Kosten für die Kieferorthopädie übernehmen, dürfte das Interesse Erwachsener eher auf dem Bereich Zahnersatz liegen.

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