Zahnzusatzversicherungen – wann sie wirklich Sinn machen

April 22, 2016 No Comments »

Wann eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll ist

Private Zahnzusatzversicherungen übernehmen den verbleibenden Kostenanteil, welcher durch die Versorgungslücke der gesetzlichen Krankenkassen entsteht. Eigentlich eine sinnvolle Investition, allerdings nicht für jeden. Wer eine Police benötigt, und worauf geachtet werden sollte.

Wann lohnt sich eine private Zahnzusatzpolice?

Eine Zahnzusatzversicherung kann die Kosten für den Eigenanteil deutlich senken. Aber wann ist sie tatsächlich sinnvoll? Wer über den Abschluss nachdenkt, sollte zunächst einige Überlegungen anstellen.

Die gesundheitliche Seite

Es gilt ein einfacher Zusammenhang. Wer heute mit Karies und Parodontose zu tun hat, braucht morgen Brücken, Kronen oder ein teures Implantat. Sind die Probleme in der Zukunft absehbar, kommt irgendwann die große Rechnung. Wer sich dessen bewusst ist, sollte sich bereits frühzeitig über die Finanzierung Gedanken machen. Eine Möglichkeit hierfür ist der Abschluss einer privaten Zusatzversicherung. Sind dagegen hohe Kosten in der Zukunft unwahrscheinlich, bietet die Police zwar ein Stück Sicherheit, lohnt sich jedoch nicht unbedingt.

Gut zu wissen

Die Zahnprobleme sollte noch nicht akut sein. Denn viele Versicherer nehmen Antragsteller mit unmittelbar bevorstehenden Behandlungen nicht auf. Die Gesellschaften überprüfen dies anhand von Gesundheitsfragen. Reichen Versicherte zu Anfang der Laufzeit bereits größere Rechnungen ein, überprüft die Versicherung den Fall genauer. Hierfür wird auch der Zahnarzt von der Schweigepflicht entbunden, und muss der Versicherung Rede und Antwort stehen. Zudem gelten Wartezeiten von ein paar Monaten, in denen die Versicherung ohnehin nicht zahlt. Gestaffelte jährliche Höchstbeträge begrenzen zudem die Leistungen der Versicherung in den ersten Jahren.

Die wirtschaftliche Seite

Rein wirtschaftlich betrachtet lohnt sich die Police dann, wenn sie den Versicherten im Fall der Fälle finanziell deutlich entlastet. Dies ist z.B. bei einem geringen Einkommen der Fall. Hier hat der Betroffene wenig Möglichkeiten Rücklagen zu bilden, welche später für teure Zahnbehandlungen genutzt werden könnten. Ebenso wichtig ist das Verhältnis der Beitragskosten im Verhältnis zur Inanspruchnahme. So lohnt sich der Abschluss nur bis zu einer bestimmten Beitragshöhe. Die Beitragskosten sind wiederum im richtigen Verhältnis mit den Leistungen im Versicherungsfall zu betrachten. Mit anderen Worten: was bekomme ich im Ernstfall für mein Geld?

Welche Ansprüche habe ich?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt für Zahnbehandlungen bis zu 50% der Kosten. Können regelmäßige Zahnarztbesuche nachgewiesen werden – z.B. anhand des Bonushefts – sind es bis zu 65%. Dies gilt allerdings nur für die so genannte Regelversorgung. Hierzu gehört z.B. die Amalgamfüllung bei Löchern, eine Standard-Krone, oder eine Brücke bei fehlendem Zahn. Füllungen aus Kunststoff sind wesentlich teurer. Dennoch zahlt die Kasse nur den Anteil für die Regelleistung. Noch höher ist der Eigenanteil bei einem Implantat. Dieses kann über 3000 Euro kosten. Auch hier zahlt die Krankenkasse nur ein paar hundert Euro für die einfache Lösung mit der Brücke. Den Eigenanteil kann der Patient komplett selbst zahlen, oder sich von einer Zahnzusatzversicherung erstatten lassen. Wer sich für die Toplösung wie z.B. ein Implantat oder eine Krone aus Keramik entscheidet, kann mit der Police eine Belastung der Haushaltskasse komplett verhindern, oder den Eigenanteil deutlich senken.

Der Sicherheitsaspekt

Möchte ich in jedem Fall abgesichert sein, wenn es darauf ankommt? Auch das persönliche Sicherheitsbedürfnis spielt bei der Entscheidung eine wichtige Rolle.

Worauf sollte außerdem geachtet werden?

Wer sich für den Abschluss einer Zahnversicherung entscheidet, sollte einige Dinge beachten. Denn nicht alle Policen halten was sie versprechen. Weitere wichtige Punkte gibt es hier.

Wie hoch ist der Zuschuss im Ernstfall?

Viele Versicherer werben mit einer Kostenerstattung von 100 Prozent. Hierbei geht es in manchen Fällen allerdings um den Festzuschuss der Krankenkassen, welcher vom Zusatzversicherer nochmals um denselben Betrag aufgestockt wird. Mit anderen Worten: kostet z.B. ein Inlay 600 Euro, und zahlt die gesetzliche Krankenkasse lediglich 45 Euro als Zuschuss, würden in diesem Fall durch die Zusatzversicherung ebenfalls nur 45 Euro geleistet. Daher ist beim gewählten Tarif darauf zu achten, dass sich die Erstattung immer auf die Gesamtkosten der Behandlung und nicht auf den Zuschuss der Krankenkassen bezieht.

Wartezeiten

Grundsätzlich leistet eine Zahnzusatzpolice erst dann, wenn die Behandlung noch nicht begonnen hat. Denn in der Regel gibt es bei jedem Versicherer eine Wartezeit, die bis zu acht Monaten betragen kann. Eine Ausnahme besteht oft nur, wenn es zu unfallbedingten Problemen mit den Zähnen kommt.

Erstattungsgrenzen

Nach der Wartezeit sind so genannte Erstattungsgrenzen üblich. Dies bedeutet, dass die Versicherung nicht sofort die komplette Leistung erbringt. Diese tritt meist erst nach mehreren Vertragsjahren ein. Davor wird nur eine Teilleistung erbracht. Dies wird an folgendem Beispiel erläutert.

Beispiel für eine Kostenstaffel

  • 1. Jahr: Begrenzung der Zahlung auf 800 Euro
  • 2. Jahr: Begrenzung der Zahlung auf 1600 Euro
  • 3. Jahr: Begrenzung auf 2400 Euro
  • 4. Jahr. vollständige Leistung

Altersrückstellungen ja / nein

Weiterhin ist darauf zu achten, ob es sich um Verträge mit oder ohne Altersrückstellung handelt. Bei der ersten Variante zahlen junge Versicherte zwar anfangs mehr, jedoch steigen die Beiträge im Alter nur moderat an. Werden keine Rückstellungen gebildet, sind die Beiträge anfangs günstiger, steigen jedoch später stärker an.

Tarifvergleich ist immer sinnvoll

Da die Versicherungen die Schwächen ihrer eigenen Tarife nur ungern freiwillig preisgeben, kann die Tarifsuche für den Verbraucher sehr zeitintensiv und nervenaufreibend sein. Eine gute Abhilfe schaffen unabhängige Vergleiche, welche die Stärken und Schwächen der einzelnen Tarife übersichtlich auflisten. Auf diesem Wege lässt sich sogar der eine oder andere Euro an Beitrag einsparen.

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