Armut trotz Jobwunder – Einkommen in Deutschland sind ungleich verteilt

Dezember 13, 2013 No Comments »

Noch nie gab es in Deutschland mehr Beschäftigte als heute. Gleichzeitig leben so viele Leute wie nie zuvor am Existenzminimum. Bereits jeder sechts Deutsche gilt heutzutage als arm.

Im Oktober 2013 gab es in Deutschland etwa 42 Millionen Erwärbstätige – so viele wie noch nie. Dagegen stehen lediglich 2,8 Millionen Arbeitslose. Zuletzt waren Anfang der 90er Jahre weniger Menschen arbeitslos gemeldet. Ein positiver Aspekt ist jedoch nicht nur zunehmende Zahl der Beschäftigten. Das eigentliche Jobwunder sehen Experten in der Zunahme der sozialversichersicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse. So werden derzeit viele unsichere Beschäftigungsverhältnisse in reguläre Jobs umgewandelt.

In einigen Regionen Deutschlands herrscht Vollbeschäftigung

In einigen Regionen Bayerns und Baden-Württembergs ist die Arbeitslosenquote bereits so niedrig, dass Experten von Vollbeschäftigung sprechen. Eine Arbeitslosenquote von unter 4% wird als Vollbeschäftigung bezeichnet.

Jeder sechste Deutsche gilt als arm

Trotz Jobwunder und Vollbeschäftigung in einigen Regionen steigt das Armutsrisiko in Deutschland dramatisch. Wer als Alleinstehender weniger als 980€ Netto zur Verfügung hat, gilt laut einer EU-Definition als arm. Hiervon ist in Deutschland bereits jeder sechste betroffen. Arm sind jedoch nicht nur viele Arbeitslose und Rentner. Die Armut trifft inzwischen auch ganz normale Arbeitnehmer mit Vollzeitjobs. So gilt das Arbeitslosengeld 2 (Hartz4) längst nicht mehr nur als Auffangstation für Langzeitarbeitslose. Etwa 1,3 Millionen Menschen können von Ihrem Arbeitseinkommen trotz Vollzeitjob nicht mehr leben. Die so genannten Aufstocker müssen zusätzlich zum Arbeitseinkommen Hartz 4 beantragen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die Einkommen sind ungleich verteilt

Etwa 3.400 € monatlich verdient ein deutscher Arbeitnehmer im Jahre 2013 im Schnitt. Die besten Gehälter zahlen mit etwa 4.500 € Banken und Versicherungen, dicht gefolgt von Energieunternehmen. Die niedrigsten Bruttolöhne mit gerade mal 2.000€ werden im Gastgewerbe gezahlt. Ein lediger kinderloser Bankangestellter verfügt demnach über ein durchschnittliches Nettoeinkommen von ca. 2.650€ (siehe Brutto Netto Rechner). Ein entsprechender Arbeitnehmer im Gastgewerbe hat zum Leben gerade mal auf 1370€ zur Verfügung.

Wachsende Ungleichgewichte auch innerhalb der Unternehmen

Jedoch auch innerhalb der Branchen und einzelnen Unternehmen kommt es zunehmend zu Ungleichgewichten. So profitierten von den Lohnerhöhungen der letzten Jahre meist Manger und Führungskräfte. Geringer qualifizierte und ungelernte Arbeitnehmer werden bei Lohnrunden dagegen häufig übergangen, oder erhalten nur geringfügige Lohnzuwächse. Geringe Lohnerhöhungen werden meist durch die Inflation aufgezehrt, sodass die Reallöhne häufig stagnieren, oder bei einer höheren Preissteigerungsrate sogar an Kaufkraft verlieren.

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