Berufsunfähigkeitsversicherung – die Alternativen und was sie kosten

Dezember 20, 2016 2 Comments »

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt, dies gilt gerade in Zeiten von zunehmender Arbeitsbelastung. Doch den wertvollen Schutz gibt es nicht für jeden. Immer mehr Policen werden von Versicherern abgelehnt. Es trifft besonders Antragsteller mit Vorerkrankungen, höherem Alter oder riskanten Berufen. Wem der Beitrag zu hoch ist, oder wer keine BU erhält, findet jedoch Alternativen.

Alternativen zur BU im Vergleich

Grafik zu Alternativen zur BerufsunfähigkeitsversicherungMehr als die Hälfte aller Deutschen verfügt mittlerweile über eine Berufsunfähigkeitsversicherung, welche bei Arbeitsunfähigkeit bis zum regulären Renteneintritt eine monatliche Überbrückungsrente bezahlt. Versicherer schätzen vor dem Vertragsabschluss anhand von verschiedenen Parametern ein, mit welcher Wahrscheinlichkeit potenzielle Kunden im späteren Leben arbeitsunfähig werden. Je höher die errechnete Wahrscheinlichkeit, desto schlechter die Konditionen. Je älter der potenzielle Versicherte, je gefährlicher sein Beruf oder je umfangreicher seine bisherige Krankheitsgeschichte, desto eher gilt der Betroffene sogar als versicherungsunfähig. Wer von sämtlichen Versicherern abgelehnt wird, oder zu hohe Beiträge zahlen müsste, kann auf Alternativen setzen. Doch nicht nur die Beiträge sondern auch die Leistungen unterscheiden sich. Wir geben einen Überblick, und ziehen jeweils einen Vergleich zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

5 Alternativen im Überblick

Art der Versicherung
Wann leistet die Police?
Art der Leistung
Höhe monatlicher Beitrag
Gesund-heits-prüfung
Berufsunfähig-keitsversicherung
erlernter Beruf kann als Folge von Krankheit oder Unfall nicht mehr ausgeübt werden.
Einmalzahlung und / oder monatliche Rente
zwischen 25 und 150 Euro pro Monat, siehe Übersicht verschiedener Beitragszahler
ja
Private Unfallversicherung
bei Invalidität als Folge eines Unfalls im privaten Bereich
Einmalzahlung und / oder monatliche Rente
ab 10 Euro siehe Übersicht
nein
Grundfähigkeits-versicherung
bei Verlust von Grundfähigkeiten wie z.B. sehen, sprechen oder Gebrauch der Hände
monatliche Rente
ab 30 Euro siehe Übersicht
ja, nicht so streng wie bei BU
Dread-Desease
bei Eintritt bestimmter im Vertrag vereinbarter schwerer Krankheiten
Einmalzahlung
ab 24 Euro siehe Übersicht
ja, nicht so streng wie bei BU
Erwerbs-unfähigkeits-versicherung
wenn Versicherter aufgrund von Unfall oder Krankheit in keinem Beruf mehr arbeiten kann
monatliche Rente
ab 12 Euro siehe Übersicht
ja
Funktions-invaliditäts-versicherung
wenn bestimmte körperliche Funk­tionen durch Krankheit oder Unfall schwer beeinträchtigt sind
monatliche Rente
ab 6 Euro siehe Übersicht
ja

Private Unfallversicherung

Eine private Unfallversicherung schützt den Inhaber immer da, wo die gesetzliche Unfallversicherung nicht greift, also abseits von Job oder Arbeitsweg. Bei einem Unfall erhält der Versicherte je nach vereinbartem Tarif entweder einen Einmalbetrag, eine monatliche Rente oder auch beides. Lebenslange Unfallrenten werden in der Regel erst ab einem 50-prozentigen Invaliditätsgrad geleistet. Wer zum Beispiel einen einzelnen Finger verliert, erhält oft nur fünf Prozent der vertraglich vereinbarten Summe. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung wird demgegenüber die volle Summe bezahlt, sobald sich die jeweilige Arbeit nicht mehr ausüben lässt. Eine Zahlung aus der Unfallpolice erfolgt nur dann, wenn nach ärztlicher Einschätzung dauerhafte Gesundheitsschäden zurückbleiben. Berufsunfähigkeit muss jedoch nicht zwingend vorliegen. Das heißt konkret:

  • Die Konditionen von Unfallversicherungen sind verglichen mit der Berufsunfähigkeitsversicherung deutlich günstiger.
  • Vorerkrankungen und familiäre oder lebensstilbedingte Risiken spielen für Unfallversicherer kaum eine Rolle. Zumindest führen berufs- und hobbybedingte Unfallrisiken nicht zur Ablehnung durch den Versicherer.
  • Da die Unfallversicherung anders als die BU nur bei einem Unfall und nicht bei Krankheit zahlt, ist kein vergleichbarer Schutz zu erwarten.
  • Die Auszahlungssumme von Unfallversicherungen liegt weit unter der BU-Rente

Beispiele monatlicher Beitrag verschiedener Antragsteller

  • 30 jähriger kaufmännischer Angestellter mit 100.000 Invaliditätssumme, 225 Prozent Progression und 1000 Euro Unfallrente: ab ca. 10 Euro
  • 45 jähriger kaufmännischer Angestellter mit 100.000 Invaliditätssumme, gleicher Progression und 1500 Euro Unfallrente: ab ca. 12 Euro
  • 35 jähriger Schreiner mit 100.000 Invaliditätssumme, gleicher Progression und 1000 Euro Rente: ab ca. 15 Euro
  • 45 jähriger Schreiner mit 100.000 Invaliditätssumme, gleicher Progression und 1500 Euro Rente: ab ca. 18 Euro
  • 25 jähriger Gerüstbauer mit 100.000 Invaliditätssumme, gleicher Progression und 500 Euro Rente: ab ca. 15 Euro
  • 35 jähriger Gerüstbauer mit 100.000 Invaliditätssumme, gleicher Progression und 1000 Euro Rente: ab ca. 20 Euro
  • 45 jähriger Gerüstbauer mit 100.000 Invaliditätssumme, gleicher Progression und 1500 Euro Rente: ab ca. 22 Euro

Grundfähigkeitsversicherung

Sehen, Sprechen, Hören und Greifen zählen zu den Grundfähigkeiten. Visuelle Künstler können durch den Verlust der Sehfähigkeit ihre berufliche Basis verlieren. Handwerkskünstler verlieren mit den Fertigkeiten der Hände das Arbeitskapital. Bei Musikern kann der Verlust von Gehör und Stimme das Ende der beruflichen Laufbahn bedeuten. Besonders letztgenannte Künstlergruppe wird von Berufsunfähigkeitsversicherungen oftmals als Risikogruppe eingeschätzt. Mit einer Grundfähigkeitsversicherung können sie dem Einkommensausfall nach Stimm- oder Gehörverlust trotzdem vorbeugen. Grundfähigkeitsversicherer zahlen allerdings nur, wenn eine der Grundfähigkeiten gänzlich verloren geht. Bei einseitigen Verlusten der betreffenden Fähigkeiten bleiben die Leistungen dagegen aus. Solange Erkrankungen oder körperliche Beeinträchtigungen die oben genannten Fähigkeiten nicht betreffen, erfolgen ohnehin keine Zahlungen. Der Versicherungsumfang ist also wesentlich geringer als der von Berufsunfähigkeitsversicherungen. Großes Manko der Grundfähigkeitsversicherung: Körperlich hart arbeitende Berufsgruppen wie z.B. viele Handwerker gelten bei Versicherern als Risikokunden, und werden oftmals abgelehnt.

Beispiele monatlicher Beitrag verschiedener Antragsteller

  • 20 jährige Friseurin, Nichtraucherin, monatliche Rente 750 Euro, Laufzeit 47 Jahre (bis Renteneintritt), ab ca. 30 Euro
  • 25 jährige Friseurin, Nichtraucherin, monatliche Rente 1.000 Euro, Laufzeit 42 Jahre, ab ca. 37 Euro
  • 35 jährige Chirurgin, Nichtraucherin, monatliche Rente 2.000 Euro, Laufzeit 32 Jahre, ab ca. 85 Euro
  • 40 jähriger Chirurg, Nichtraucher, monatliche Rente 2.000 Euro, Laufzeit 27 Jahre, ab ca. 120 Euro

Dread-Disease

Eine wenig bekannte Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung sind Schwere-Krankheiten-Versicherungen – auch als Dread-Disease bezeichnet. Mit derartigen Policen können sich Versicherte vor den Risiken und Arbeitsausfallzeiten durch Krankheiten wie Krebs, Alzheimer, HIV oder Multiple-Sklerose schützen. Wer eine entsprechende Krankheitsgeschichte in der Familie hat, kann von Dread-Disease-Policen profitieren. Kunden mit entsprechender Familiengeschichte oder anderweitigen Krankheitsrisiken werden von Berufsunfähigkeitsversicherern oft ablehnt, oder nur zu horrenden Konditionen versichert. Charakterisiert sind Dreaded-Disease-Policen vor allem durch folgende Eigenschaften:

  • Kunden müssen keinen einwandfreien Gesundheitszustand aufweisen.
  • Schwere-Krankheiten-Versicherungen zahlen auch dann, wenn keine Berufsunfähigkeit eintritt.
  • Klauseln schließen in Anfangsstadien von Krankheiten die Zahlung oftmals aus.
  • Nicht alle Krankheiten sind durch eine Schwere-Krankheiten-Versicherung abgedeckt.
  • Geringe Auswahlmöglichkeit, da nur etwa vier Anbieter Schwere-Krankheiten-Versicherungen im Programm führen.

Beispiele monatlicher Beitrag verschiedener Antragsteller

  • 25 jährige Frau, Nichtraucherin, Versicherungssumme 100.000 Euro, Laufzeit 15 Jahre: ab ca. 24 Euro
  • 30 jähriger Mann, Nichtraucher, Versicherungssumme 100.000 Euro, Laufzeit 20 Jahre: ab ca. 35 Euro
  • 35 jährige Frau, Raucherin, Versicherungssumme 100.000 Euro, Laufzeit 20 Jahre: ab ca. 60 Euro
  • 40 jähriger Mann, Nichtraucher, Versicherungssumme 100.000 Euro, Laufzeit 25 Jahre: ab ca. 80 Euro
  • 45 jähriger Mann, Nichtraucher, Versicherungssumme 200.000 Euro, Laufzeit 20 Jahre: ab ca. 150 Euro

Die Versicherung gegen bestimmte Krankheiten sollte Experten zufolge nur mit fachlicher Beratung abgeschlossen werden, um tatsächlich lohnenswerten Versicherungsschutz zu bieten. Oft kann der Laie ohne Beistand nicht überblicken, welche Krankheitsstadien und Erkrankungen von der Versicherung tatsächlich abgedeckt werden. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist es einfacher: Abgedeckt ist alles, was die gewohnte Arbeitsleistung mehr oder weniger stark beeinträchtigt.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente leistet bei Arbeitsunfähigkeit eine monatliche Zahlung, welche sich in der Höhe am bisherigen Bruttoeinkommen orientiert. Fällig wird die gesetzliche Leistung, wenn Arbeitnehmer nicht mehr als drei Stunden pro Tag arbeiten können. Berufsgruppen wie Selbstständige haben allerdings kein Recht auf die staatliche Erwerbsminderungsrente. Gerade für sie bietet sich daher der Abschluss einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung an, deren Leistungen sich an den gesetzlichen Zahlungen orientiert. Allerdings beinhalten Erwerbsunfähigkeitsversicherungen häufig eine Klausel, nach welcher der Versicherer vom Kunden die Ausübung eines anderen Berufs verlangen kann. Während die Berufsunfähigkeitsversicherung schon bei Beeinträchtigung der Arbeitskraft im erlernten Beruf zahlt, kann ein Erwerbsunfähigkeitsversicherer z.B. von einem Handwerker die Umorientierung auf eine Bürotätigkeit verlangen.

Beispiele monatlicher Beitrag verschiedener Antragsteller

  • 20 jähriger Bankkaufmann mit 500 Euro Rente: ab ca. 12 Euro
  • 25 jähriger Bankkaufmann mit 1000 Euro Rente: ab ca. 15 Euro
  • 30 jähriger Bankkaufmann mit 1500 Euro Rente: ab ca. 24 Euro
  • 30 jähriger Dachdecker, 1.000 Euro Rente: ab ca. 45 Euro
  • 35 jähriger Dachdecker, 1.500 Euro Rente: ab ca. 60 Euro

Funktionsinvaliditätsversicherung

Viele Versicherer bieten ihren Kunden nach einer abgelehnten Berufsunfähigkeitsversicherung gerne die Funktionsinvaliditätsversicherung als Alternative an. Dabei handelt es sich um eine relativ individualisierbare Dienstleistung, die sich aus den Einzelleistungen aller oben genannten Versicherungen zusammensetzen lässt. Obwohl Kunden damit ein relativ individuelles Versicherungspaket erhalten, ist durch das Paket noch immer kein umfangreicher Schutz gewährleistet. Die einzelnen Ursprungsversicherungen haben allesamt ihre Haken, welche auch im individuellen Versicherungspaket erhalten bleiben. Funktionsinvaliditätsversicherungen sind preislich gesehen etwa ebenso teuer wie die Berufsunfähigkeitsversicherung. Weit unübersichtlichere Bedingungen sowie die fehlende Abdeckung bestimmter Ausfallrisiken machen diese Versicherungsart für die meisten Berufsgruppen allerdings ungeeignet. Da auch für den Abschluss einer Funktionsinvaliditätsversicherung die Krankengeschichte des Kunden streng überprüft wird, erhalten auch hier viele Antragsteller einen abschlägigen Bescheid.

Beispiele monatlicher Beitrag verschiedener Antragsteller

  • 20 jähriger Bürokaufmann, Nichtraucher, mit 500 Euro monatlicher Rente: ab ca. 6 Euro
  • 30 jähriger Bürokaufmann, Raucher, mit 1000 Euro monatlicher Rente: ab ca. 13 Euro
  • 30 jähriger Bürokaufmann, Motorradfahrer, Raucher, mit 1000 Euro monatlicher Rente: ab ca. 16 Euro
  • 20 jähriger Fliesenleger, Raucher, mit 800 Euro monatlicher Rente: ab ca. 12 Euro
  • 30 jähriger Fliesenleger, Raucher, mit 1200 Euro monatlicher Rente: ab ca. 18 Euro
  • 45 jähriger Fliesenleger, Nichtraucher, mit 1200 Euro monatlicher Rente: ab ca. 36 Euro

Kritik an Alternativen

Verbraucherschützer verziehen bei der Frage zu günstigen Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung oft das Gesicht. Zwar gibt es andere Möglichkeiten einer alternativen Grundversorgungssicherung. Diese decken jedoch lediglich einem Bruchteil der von der BU abgesicherten Risiken ab. Wer eine umfangreiche Absicherung sucht, kommt um den klassischen BU-Schutz nicht herum. Die zugegeben relativ hohen Beiträge lohnen sich also, und sollten zumindest für zahlungsfähige Kunden kein Grund für einen Verzicht sein. Nur wer von einer Berufsunfähigkeitsversicherung abgelehnt wird, sollte auf eine der Alternativen zurückgreifen.

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2 Comments

  1. Andrea 12. Oktober 2017 at 00:52 - Reply

    Hallo,

    ich wollte vor ein paar Monaten eine Berufsunfähigkeitsversicherung für mich abschließen. Diese wurde jedoch abgelehnt mit der Begründung: ich hätte ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Vor drei Jahren war ich in einer Kur wegen einer Depression. Heute ist jedoch wieder alles tippi toppi…ich gehe auch wieder Vollzeit arbeiten. Die Versicherung lehnte nicht komplett ab, sondernmachte mir daraufhin ein anderes Angebot…ich hätte jedoch viel mehr Beitrag zahlen müssen und das bei schlechteren Leistungen.

    Warum nun dieses schlechtere Angebot…denn es geht mir doch wieder gut??? Soll ich es annehmen, oder was würden Sie mir sonst raten?

    Vielen Dank schon mal für Ihre Mühe…

    Liebe Grüße, Andrea

    • admin 15. Oktober 2017 at 18:05 - Reply

      Hallo,

      zunächst zur Ablehnung. Die Versicherungen verfahren so, dass Sie Vorerkrankungen – meist zählen bei den Gesundheitsfragen die letzten 5 Jahre – als Risikofaktoren für eine erneute Erkrankung einschätzen. Aus dem Grund erhielten Sie auch dieses schlechtere Ersatzangebot.

      Bevor Sie nun dieses „Ersatzangebot“ annehmen:

      Versuchen Sie zunächst mal bei anderen Versicherungsgesellschaften einen Aufnahmeantrag zu stellen. Sollte das auch nicht klappen – was bei einer Depression durchaus möglich ist – warten Sie noch zwei weitere Jahre (also insgesamt 5 Jahre) ab. Dann können Sie erneut eine Aufnahme bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung beantragen. Möchte die Versicherung dann bei den Gesundheitsfragen die Vorerkrankungen der letzten 5 Jahre erfahren, müssen Sie in dem Fall nichts mehr angeben. Außer Sie erkranken erneut.

      Sollte auch das misslingen, käme eine der o.g. Alternativen für Sie in Frage. Die Auswahl hängt davon ab, wie viel Beitrag Sie zahlen können / möchten.

      Viel Erfolg

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