Hinzuverdienst bei der Erwerbsminderungsrente – das ändert sich 2017

Oktober 12, 2017 No Comments »

Nebeneinkünfte werden teilweise auf die Rente angerechnet. Das betrifft auch Bezieher einer Erwerbsminderungsrente. Die Anrechnung erfolgt seit diesem Jahr stufenlos. Denn die neu eingeführte Flexirente gilt auch hier. Wir erläutern die Regelungen für den Hinzuverdienst nach altem und neuem Recht.

Voraussetzung für Erwerbsminderungsrente

Eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhält, wer dauerhaft aufgrund einer Krankheit täglich weniger als drei Stunden auf dem regulären Arbeitsmarkt einsatzfähig ist. Wer hingegen noch eingeschränkt arbeitsfähig ist, kann eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung beantragen. Diese Leistungen erhalten Personen, die auf nicht absehbare Zeit nur noch zwischen drei und sechs Stunden täglich arbeiten können. Personen die vor dem 2. Januar 1961 geboren wurden, genießen eine Sonderregelung. Sie erhalten eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit. Die Voraussetzung hier für ist, dass sie grundsätzlich zwar länger als sechs Stunden arbeitsfähig sind, aber in ihrem erlernten Beruf nur für maximal sechs Stunden eingesetzt werden können.

Erwerbsminderungsrente Hinzuverdienst

Versicherte mit Anspruch auf die Rentenzahlung dürfen Geld durch eine Nebentätigkeit hinzuverdienen. Doch ein Nebenverdienst ist nur innerhalb bestimmter betraglicher Grenzen möglich. Wird der Betrag überschritten, kommt es zu einer Kürzung der Rente. Das Einkommen oberhalb der Höchstgrenze wird entweder anteilig oder vollständig vom Rentenbetrag abgezogen. Bisher erfolgte die Anrechnung in 4 betraglichen Stufen. Seit dem 01.07.2017 gilt in Deutschland das Flexirentengesetz. Hierdurch kommt es zu einer vollständigen Neuregelung der Hinzuverdienstgrenzen.

Die gesetzlichen Bestimmungen zum Hinzuverdienst für Erwerbsminderungsrentner sind in § 96a SGB VI verfasst.

Einkommensarten

Folgende Einkunftsarten zählen für Rentner als Hinzuverdienst.

  • Einkommen aus einem Beschäftigungsverhältnis
  • Arbeitseinkommen aus selbstständiger Tätigkeit
  • vergleichbares Einkommen (unter anderem Abgeordnetenbezüge)
  • bestimmte Sozialleistungen (Krankengeld, Verletzten- und Arbeitslosengeld).

Altes Recht (bis 30.06.2017)

Nach altem Recht – gültig bis 30.06.2017 – hatte ein Hinzuverdienst nur dann keine negativen Auswirkungen auf die Höhe der Rentenzahlung, wenn er einen monatlichen Betrag von 450 Euro nicht überstieg. Die 450-Euro-Grenze galt bundesweit einheitlich für alle Versicherten. Wurde der Betrag überschritten, kamen individuelle Hinzuverdienstgrenzen zum Tragen. Diese wurden anhand der Beitragszahlungen berechnet, die Versicherte während der letzten drei Jahre vor dem Beginn der Rentenzahlungen leisteten. Je nach Höhe der Überschreitung erhielten Rentenbezieher entweder

  • drei Viertel
  • die Hälfte
  • oder ein Viertel

ihrer Erwerbsminderungsrente. Bei sehr hohem monatlichen Hinzuverdienst wurde die Zahlung sogar vollständig eingestellt.

Berechnung des Hinzuverdienst

Die Hinzuverdienstgrenzen wurden durch die Multiplikation der monatlichen Bezugsgröße mit den Entgeltpunkten der letzten drei Jahre berechnet. Je höher die Einzahlungen, desto mehr Entgeltpunkte gab es. Jedoch wurden immer mindestens 1,5 Entgeltpunkte berücksichtigt. Bei der Bezugsgröße handelt es sich um das durchschnittliche Entgelt der gesetzlichen Rentenversicherung, das im vorletzten Jahr gezahlt wurde. Das Produkt wird danach mit dem Faktor

  • 0,28 bei einer Rente von einem Viertel
  • mit 0,23 bei halber Rente
  • und mit 0,17 bei drei Vierteln Rente

multipliziert. Zusätzlich musste in den neuen Bundesländern die monatliche Bezugsgröße mit dem aktuellen Rentenwert in Ostdeutschland multipliziert und durch den aktuellen Rentenwert in Westdeutschland dividiert werden.

Berechnungsbeispiel für Mindest-Hinzuverdienst bei voller Erwerbsminderung

Durch die bereits genannte Rechenformel kommt es zu unterschiedlichen Mindest-Hinzuverdienstgrenzen in Ost- und Westdeutschland während des ersten Halbjahres 2017.

In Westdeutschland galten die folgenden Hinzuverdienstgrenzen:

  • Vollrente: 450 Euro (Einheitswert)
  • drei Viertel der Vollrente: 758,63 Euro
  • die Hälfte: 1.026,38 Euro
  • ein Viertel: 1.249,50 Euro

In Ostdeutschland hingegen waren diese Hinzuverdienstgrenzen gültig:

  • Vollrente: 450 Euro (Einheitswert)
  • drei Viertel: 714,03 Euro
  • die Hälfte: 966,04 Euro
  • ein Viertel: 1.176,05 Euro.

Berechnungsbeispiel für Mindest-Hinzuverdienst bei teilweiser Erwerbsminderung

Die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung sowie die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit werden grundsätzlich nur in Höhe der Hälfte der Vollrente gewährt. Doch auch für diese gelten die beiden folgenden Hinzuverdienstgrenzen:

  • volle Höhe: 966,04 Euro (Ost) bzw. 1.026,38 Euro (West)
  • halbe Höhe: 1.176,05 Euro (Ost) bzw. 1.249,50 Euro (West)

Die neue Flexirente (seit 01.07.2017)

Sämtliche Hinzuverdienstgrenzen wurden durch das Flexirentengesetz vollständig umgestaltet. Die Änderungen – gültig seit dem 01.07.2017 – betreffen dabei nicht nur die gewöhnliche Altersrente, sondern ebenfalls alle Renten aufgrund einer Erwerbsminderung. Während bislang monatliche Grenzen mit einem mehrstufigen System verwendet wurden, kommt nun eine kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze zum Einsatz. Diese ermöglicht eine stufenlose Anrechnung des Hinzuverdienstes und berücksichtigt dabei auch saisonale Schwankungen. Auf diese Weise werden unterjährige Verdienstschwankungen deutlich besser ausgeglichen. Darüber hinaus kommt es nicht länger zu einer Unterscheidung zwischen Rentenbeziehern aus Ost- und Westdeutschland.

Berechnung des Hinzuverdienst

Bei der Berechnung des Hinzuverdienst nach neuem Recht wird ebenfalls zwischen der Rente wegen voller und der Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung unterschieden.

Rente wegen voller Erwerbsminderung

Seit Juli 2017 können bei einer Rente wegen voller Erwerbsminderung bis zu 6.300 Euro pro Kalenderjahr erzielt werden, ohne eine Rentenkürzung befürchten zu müssen. Bei Überschreiten dieser Grenze reduziert sich Ihre Rentenleistung um 40 Prozent von einem Zwölftel des den Freibetrag übersteigenden Einkommens.

Berechnungsbeispiel für eine Rente wegen voller Erwerbsminderung

Eine Person bezieht eine monatliche Erwerbsminderungsrente in Höhe von 950 Euro. Sie kann im aktuellen Kalenderjahr maximal 6.300 Euro rentenunschädlich hinzuverdienen. Erhält sie aufgrund einer Arbeitsbeschäftigung monatlich 880 Euro, ergibt sich ein anrechenbares Jahreseinkommen in Höhe von 10.560 Euro. Insgesamt übersteigt dieser Betrag die Hinzuverdienstgrenze um 4260 Euro im Jahr oder 355 Euro pro Monat. 40 Prozent von 355 Euro ergeben 142 Euro. Die monatlichen Rentenleistungen vermindern sich deshalb um 142 Euro.

Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung

Die Rente aufgrund teilweiser Erwerbsminderung verfügt über individuelle Hinzuverdienstgrenzen. Dabei handelt es sich laut § 96a Abs. 1c SGB VI um das 0,81 fache der Bezugsgröße multipliziert mit den Entgeltpunkten jenes Kalenderjahres mit den höchsten Punkten. Übersteigt der Zuverdienst den höchsten Jahresverdienst dieses Jahres, so wird der überschüssige Betrag in voller Höhe angerechnet. Dabei werden jedoch nur die 15 vergangenen Kalenderjahre berücksichtigt. Grundsätzlich werden stets mindestens 0,5 Entgeltpunkte zur Berechnung herangezogen. Dadurch ergibt sich eine Mindest-Hinzuverdienstgrenze von 14.458,50 Euro.

Berechnungsbeispiel für eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung

Eine Person mit einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung möchte sich durch eine selbstständige Tätigkeit etwas hinzuverdienen. Ihr höchstes Jahreseinkommen während der vergangenen 15 Jahre betrug 30.000 Euro. Dadurch ergibt sich aufgrund der Multiplikation dieses Jahresverdienstes mit dem Faktor 0,81 eine Hinzuverdienstgrenze von 24.300 Euro. Nimmt diese Person daher 1.500 Euro pro Monat durch ihre selbstständige Tätigkeit ein, kommt es nicht zu einer Anrechnung. Werden jedoch im Kalenderjahr insgesamt 25.500 Euro verdient, reduziert sich die monatliche Rente um 40 Euro. Beträgt das Einkommen 36.000 Euro, werden die das höchste Jahreseinkommen übersteigenden 6.000 Euro vollständig von der Rente abgezogen.

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