Inflationsrate 2017 in Deutschland – so hoch war sie wirklich

Januar 28, 2018 No Comments »

Die Inflationsrate in Deutschland im Jahr 2017Die Wirtschaft brummt in Deutschland. Dies macht sich auch bei der Inflationsrate bemerkbar. 2017 betrug der Preisanstieg 1,8 Prozent. Doch dies ist nur ein Durschnittswert. Die Unterschiede bei den einzelnen Gütern und Dienstleistungen sind hoch. Der große Preis-Check und die Hintergründe.

Lebensmittel

Für Nahrungsmittel mussten Verbraucher 2017 deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die Preise für Lebensmittel erhöhten sich im vergangenen Jahr um rund drei Prozent. Von den Preiserhöhungen waren alle Warengruppen betroffen. Preistreiber mit der höchsten Teuerung waren die Speisefette und -öle mit einem Anstieg von 21,4 Prozent sowie die Molkereiprodukte mit einer Teuerung von 9,7 Prozent. Doch auch für Fisch und Fischwaren mussten die Konsumenten etwa 3,8 Prozent und für Obst 2,7 Prozent mehr Geld ausgeben. In den Vorjahren waren die Preise für Nahrungsmittel weit weniger stark gestiegen. So betrug die Teuerung im Lebensmittelsegment in den Jahren 2016 und 2015 jeweils nur 0,8 Prozent. Im Jahr 2014 waren die Lebensmittelpreise um rund ein Prozent gestiegen.

Mieten

2017 gabe es einen erneuten Preisanstieg bei den Wohnkosten. Die deutschen Mieter ächzen unter einem weiteren Anstieg der Nettokaltmieten. Mit 1,6 Prozent im bundesweiten Durchschnitt schlägt die erneute Mietpreiserhöhung zu Buche. Vor allem für die privaten Haushalte wird der Mietanstieg immer kritischer, geben sie doch inzwischen mehr als ein Fünftel ihrer Konsumausgaben für das Wohnen aus.

Wichtig ist bei den Mieten jedoch die korrekte Erfassung der Preissteigerungen. Und das gelingt nicht immer. Beispiel Berlin: In der Bundeshauptstadt stiegen die Kaltmieten laut Inflationsberechnung des Berliner Landesamtes für Statistik zwischen 2009 und 2016 insgesamt um rund 16 Prozent. Im vergangenen Jahr legten sie noch einmal um etwa zwei Prozent zu. Der zweijährig erscheinende Berliner Mietspiegel wies für die Jahre 2008 bis 2016 jedoch eine Teuerung der Nettokaltmieten um 45 Prozent aus. Damit stiegen die Mieten laut Mietspiegel dreimal so schnell, wie es die Statistik zur Verbraucherinflation angibt. Ein Ergebnis welches Wohnungssuchende in Berlin sicher bestätigen können.

Energiepreise

Nach drei Jahren sinkender Preisen waren die Energieträger mit einer Teuerung in Höhe von 3,1 Prozent maßgeblich für den Anstieg der Inflationsrate Deutschland 2017 verantwortlich.

Heizöl

Allen voran für leichtes Heizöl verteuerten sich die Preise binnen Jahresfrist um rund 16 Prozent. Deutschlands Privathaushalte müssen damit nicht nur fürs Wohnen, sondern auch fürs Heizen tiefer in die Tasche greifen.

Benzin

Auch der Sprit wurde wieder teurer. Die Preise für Diesel, Super und Co. stiegen im Jahr 2017 um rund sechs Prozent an – Superbenzin legte um 5,5 Prozent zu, Diesel gar um 7,7 Prozent.

Gas

Günstiger wurde hingegen Gas – hier verzeichneten die Experten des Statistischen Bundesamts einen Preisrückgang von 2,8 Prozent. Auch die Kosten für die Umlagen der Zentralheizung sowie für Fernwärme sanken im Schnitt um 1,5 Prozent.

Strom

Auch die Strompreise kennen seit Jahren nur einen Weg – nämlich den nach oben. So auch im vergangenen Jahr: 2017 stiegen die Strompreise um 1,7 Prozent. Als Grund für die Teuerungen machten die Stromkonzerne in den vergangenen Jahren immer wieder die stark gestiegene EEG-Umlage verantwortlich. Für 2018 wird diese jedoch nicht herangezogen werden können. Denn zu Beginn dieses Jahres sank die Umlage, welche die Energiewende finanzieren soll – und zwar von 6,88 Cent je Kilowattstunde in 2017 auf 6,79 Cent je Kilowattstunde.

Wasser

Die Preise für Trinkwasser sind seit langer Zeit stabil. In den kommenden Jahren könnten sie aber massiv ansteigen: So hält das Umweltbundesamt Preissteigerungen von 32 bis 45 Prozent für möglich. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) geht sogar von einer Teuerung von bis zu 62 Prozent aus. Der Grund: Für die Wasserversorger wird es immer komplizierter, unser Trinkwasser von den Rückständen der Landwirtschaft, allen voran vom Nitrat, das über Gülle und Kunstdünger auf den Feldern ausgebracht wird und ins Grundwasser sickert, zu reinigen. Besonders betroffen sind die landwirtschaftsintensiven Regionen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Kredite

Die Zinsen für Kredit steigen, bleiben aber insgesamt günstig. Um etwa 30 Prozent sind die Kosten für Baufinanzierungen im Vergleich zum historischen Tiefstand im Herbst 2016 gestiegen. Seinerzeit mussten Bauherren für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung lediglich 1,03 Prozent Zinsen einplanen – heute sind es 1,3 Prozent. Die Zinsen für Immobiliendarlehen sind damit zwar deutlich höher, im historischen Vergleich aber immer noch günstig. Auch die Zinsen für Verbraucherdarlehen sind so niedrig wie nie zuvor. So lag der Durchschnittszins für Konsumentenkredite mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren im vergangenen Jahr laut der Zinsstatistik der Bundesbank bei 6,8 Prozent. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag der Durchschnittszins noch bei 7,10 Prozent, 2015 bei 7,27 Prozent. Bei hervorragender Bonität können Verbraucher noch mal kräftig sparen und zahlen – vor allem bei Krediten mit kleiner Summe und kurzer Laufzeit – mitunter weniger als drei Prozent Zinsen. Einzig beim Zins für die genehmigte Kontoüberziehung – dem Dispokredit – greifen die Banken den Verbrauchern ordentlich in die Tasche. Im vergangenen Jahr haben 1.932 deutsche Kreditinstitute ihre Dispozinsen erhöht. Dies hat eine Untersuchung des Vergleichsportals Biallo.de gezeigt. So zahlten Verbraucher, die ihr Konto überzogen Ende 2017 im Schnitt 10,24 Prozent. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor lag der durchschnittliche Dispozins noch bei 10,16 Prozent.

Gesundheit und Pflege

Auch gestiegene Kosten für Gesundheit und Pflege waren 2017 für die höhere Inflation in Deutschland verantwortlich. Teurer wurden im vergangenen Jahr die Preise für stationäre Gesundheitsdienstleistungen. Die Kosten für Krankenhausaufenthalte und Co. legten binnen Jahresfrist um 3,4 Prozent zu. Auch die Dienstleistungen für Verpflegung verteuerten sich um 1,9 Prozent. Günstiger – und zwar um ganze 6,9 Prozent – wurden dagegen die Dienstleistungen sozialer Einrichtungen. Bedingt war der Preisrückgang vor allem durch die Umsetzung des Pflegestärkungsgesetzes II. Der gesamte Bereich Gesundheitspflege verteuerte sich nach Angaben der Statistiker insgesamt um 1,8 Prozent.

Autos

Teure Neuwagen lassen Privatkäufer vermehrt zu Gebrauchten greifen. Die Preise für Neuwagen sind in den vergangenen Jahren in Deutschland kräftig gestiegen: So kostete im Schnitt ein fabrikneues Gefährt ohne Extras im Jahr 2016 laut Liste 31.400 Euro. Das sind 2,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dies hat das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen ermittelt. Neuere Zahlen für Neuwagenpreise liegen derzeit nicht vor. Über mehr als 35 Jahre betrachtet, ist die Preisentwicklung enorm: So kostete ein fabrikneuer Durchschnittswagen im Jahr 1980 umgerechnet 8.420 Euro. Unter Einbezug der Inflation wären das heute nur etwa 18.000 Euro. Die teuren Neuwagenpreise sorgen dafür, dass sich immer weniger Verbraucher ein werksneues Auto nach ihren eigenen Vorstellungen bestellen. Nur rund die Hälfte der verkauften Neuwagen gehen heute an Privatkäufer. Stattdessen sind die Deutschen ein Volk der Gebrauchtwagenkäufer geworden. So stehen den rund eine Million privaten Neukäufen pro Jahr etwa sieben Millionen Besitzumschreibungen gegenüber.

Bahnfahren

Bei der Bahn ist eines klar: Die nächste Preiserhöhung kommt bestimmt. Und sie kam im Dezember. Mit dem Fahrplanwechsel passt Deutschlands größtes Beförderungsunternehmen regelmäßig seine Preise an. Im vergangenen Jahr waren es 0,9 Prozent. Damit liegt die Teuerung für Bahntickets unterhalb der durchschnittlichen Inflationsrate 2017, ließ das Unternehmen wissen. Deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen mit der neuen Tarifstruktur allerdings Bahnfahrer mit Flexpreis-Fahrkarten. Tickets für die zweite Klasse kosten nun 1,9 Prozent mehr. Tickets für die erste Klasse sind sogar um 2,9 Prozent teurer geworden. Auch die BahnCard 100 kostet künftig mehr: Seit Dezember 2017 fallen für die BahnCard 100 ganze 4.270 Euro an, für die BahnCard 100 First gar 7225 Euro. Gleich geblieben sind dagegen die Preise für die BahnCard 25 und 50. Auch die Einstiegstarife für die Spartickets blieben – nachdem sie bereits im Juni 2017 um etwa 90 Cent erhöht wurden – unverändert.

Freizeit

Für Freizeit, Kultur und Unterhaltung mussten die Bundesbürger im vergangenen Jahr tiefer in die Taschen greifen. Mit etwa 2,3 Prozent trieben Freizeit- und Kulturangebote die Inflation 2017 voran.

Tabak und Alkohol

Alkoholika wie Bier und Wein sowie Tabakwaren wurden teurer – im Schnitt um 2,5 Prozent.

Möbel

Auch Güter die nur alle paar Jahre im Einkaufswagen landen, verteuerten sich nur leicht. So mussten die Deutschen im vergangenen Jahr für Möbel, Leuchten und Haushaltszubehör lediglich 0,3 Prozent mehr bezahlen als im Vorjahr.

Unterhaltungselektronik

Bei Unterhaltungselektronik konnten sich Verbraucher über einen Preisrückgang freuen. Die Preise sanken im Dezember 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent.

Telekommunikation

Günstiger geworden sind nach Angaben der Experten des Statistischen Bundesamts im vergangenen Jahr Telekommunikationsdienstleistungen. Dank eines Preisrückgangs von 0,9 Prozent werden Verbraucher geringfügig entlastet.

Reisen

Für Pauschalreisen mussten die Deutschen im letzten Jahr im Durchschnitt 2,2 Prozent mehr Geld ausgeben.

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