Welcher VWL-Vertrag ist der beste? Fonds, Bausparen & Co im Check

Juli 30, 2018 No Comments »

Welchen VWL-Vertrag sollte man wählenLieber Fonds, Bausparen oder doch den Sparplan von der Bank? Anlageformen für Vermögenswirksame Leistungen gibt es viele. Doch welchen Vertrag sollte man wählen? Die aufgeführten Rechenbeispiele zeigen es.

➥ So gehen Sie vor

  • 1. Die nachfolgende Tabelle verschafft einen Überblick über die verschiedenen Anlageformen. Hierüber können Sie direkt online einen Vergleich z.B. für verschiedene Fondsparpläne oder Bausparverträge anfordern.
  • 2. Im Artikel darunter finden Sie jeweils Rechenbeispiele zu jeder Sparform mit Angabe der Rendite sowie der Gesamtrückzahlung nach 7 Jahren.
  • 3. Am Ende finden Sie eine Übersicht zur Höhe der staatlichen Förderung.

VWL-Verträge im Überblick

Welchen VWL-Vertrag Sie wählen sollten, hängt zunächst von Ihrem Sparziel ab. Wichtig ist zudem, welche Rendite erwirtschaftet wird, welches Risiko besteht, und welche staatliche Förderung Sie erhalten.

Anlagemöglichkeiten im Überblick
Anlage-/ Sparform
Rendite und Verlustrisiko
mehr Infos / Zum Anbieter
Fondsparplan
ja
Ø 4,5 Prozent (bis zu 8 % möglich),
moderates Risiko
Bausparen
ja
Ø 0,25 Prozent,
geringes Risiko
Banksparplan
nein
Ø 1,00 Prozent,
geringes Risiko
Tilgung von Baudarlehen
ja
in Höhe der ersparten Darlehenszinsen,
kein Risiko
Kontakt mit der Bank aufnehmen
Betriebliche Altersvorsorge
nein
entspricht Höhe der Rendite der AV,
Verlustrisiko: gering
Kontakt zum Arbeitgeber aufnehmen
Lebens- versicherung
nein
garantierter Zins 0,9% (Stand 2018),
geringes Risiko

Fondsparplan

Bei einem Fondssparplan wird der monatliche VWL-Beitrag in einen Investmentfonds eingezahlt. Die Fondgesellschaft sammelt die Einzahlungen aller Sparer, und legt das Geld dann in Aktien, festverzinslichen Wertpapieren, Indizes oder Immobilien an. Bei reinen Aktienfonds wird das gesamte Kapital ausschließlich in Aktien investiert. Gemischte Fonds haben oft einen Aktien-, Immobilien- und Rentenanteil. Reine Aktienfonds bieten hohe Renditen bis etwa 9 %, sind aber zugleich mit einem Verlustrisiko verbunden. Bevorzugen Sie risikoärmere Investments, sind Ihre VL in einem Rentenfonds gut angelegt. Wichtig: staatlich gefördert werden nur Aktienfonds.

Für wen eignen sich Fonds?

Fondssparen ist vor allem für Anleger interessant, die eine höhere Rendite erzielen möchten, und dabei ein gewisses Verlustrisiko in Kauf nehmen. Beim Fondsparplan gibt es keine Zweckbindung, sodass nach Ablauf der 7 Jahre frei über das Geld verfügt werden kann. Diese Anlageform eignet sich daher für Sparer, die zu Beginn noch nicht wissen, was sie mit dem Geld machen möchten.

Rechenbeispiel

Sie investieren Ihre VL in Höhe von insgesamt 40 Euro pro Monat in einen Aktienfondssparplan. Ihr Chef zahlt Ihnen 26 Euro pro Monat, die restlichen 14 Euro stocken Sie selbst auf. Es wird wie bei VWL üblich 6 Jahre eingezahlt, im siebten Jahr ruht das Kapital. Die eingezahlte Summe vom Arbeitgeber beträgt nach 6 Jahren 1872 Euro, Ihr eigener Sparanteil beträgt 1008 Euro. Wir gehen in unserem Beispiel vom Erhalt der maximalen staatlichen Arbeitnehmersparzulage in Höhe von 80 Euro pro Jahr aus. Auf Gebühren wird zur vereinfachten Darstellung verzichtet, im Gegenzug ist die Rendite mit 4,5 Prozent pro Jahr eher durchschnittlich angesetzt.

  • Eingezahlte Summe vom Chef: 1.872 Euro (26 Euro x 12 Monate x 6 Jahre)
  • Ihr Eigenanteil: 1008 Euro (14 Euro x 12 Monate x 6 Jahre)
  • Gesamteinzahlung: 2880 Euro (1872 + 1008)
  • Rendite: 582 Euro (4,5 Prozent pro Jahr)
  • staatliche Arbeitnehmersparzulage: 560 Euro (80 Euro x 7 Jahre)
  • Ertrag (Rendite + Förderung) nach 7 Jahren: 1.142 Euro
  • Gesamtsumme nach 7 Jahren: 4.502 Euro

Fazit

Sie erhalten nach Ablauf von 7 Jahren 4.502 Euro ausgezahlt. Davon entfallen lediglich 1008 Euro auf Ihre eigene Sparleistung (aufgestockter Betrag). Der Großteil resultiert aus den Zahlungen vom Arbeitgeber, der Rendite sowie der staatlichen Arbeitnehmersparzulage.

Bausparvertrag

Der bei einer Bausparkasse abgeschlossene Vertrag wird später zum Kauf, Bau oder zur Sanierung von Wohnimmobilien genutzt (Zweckbindung). Bei Vertragsabschluss bestimmen Sie die gewünschte Bausparsumme, die monatliche Sparrate sowie Laufzeitlänge und Tilgungsrate. Der Zinssatz bleibt für die gesamte Dauer der Ansparphase gleich. Anschließend können Sie sich das eingezahlte Kapital zuzüglich Zinsen auszahlen lassen. Verzichten Sie auf die Rückzahlung, belohnt Sie die Bausparkasse mit einem zinsgünstigen Baudarlehen. Die Verzinsung ist mit durchschnittlich 0,25 % eher niedrig. Ein Risiko gibt es bei dieser Anlage i.d. Regel nicht. Die Spareinlagen sind durch den Einlagensicherungsfonds deutscher Banken bis zu einer Höhe von 100.000 Euro vor Verlust geschützt.

Tipp der Redaktion: Was genau sind eigentlich Vermögenswirksame Leistungen? Wie bekomme ich Sie, und wie viel zahlt mein Arbeitgeber? Was muss ich zu Laufzeit und Fristen wissen? Gibt es auch Nachteile? Alle Infos finden Sie in unserem Beitrag: Vermögenswirksame Leistungen anlegen.

Für wen eignet sich Bausparen?

Ein Bausparvertrag kombiniert monatliches Sparen und ein Baudarlehen in einem einzigen Finanzprodukt. Benötigen Sie auf längere Sicht Eigenkapital, ist das Investieren der VL in einen Bausparvertrag eine gute Lösung. Die Sparform bietet eine hohe Sicherheit, aber verglichen mit anderen Anlagen eine niedrige Rendite. Bausparen lohnt sich in jedem Fall wegen der hohen Förderung. Wer die Zulagen nicht erhält, sollte sich nur im Falle einer Darlehensnutzung dafür entscheiden.

Rechenbeispiel

Ihre Firma unterstützt Sie wiederum mit 26 Euro VL monatlich, die Sie 6 Jahre lang in Ihren Bausparvertrag einzahlen. Sie selbst stocken genau wie im Beispiel oben 14 Euro monatlich selbst auf. Sie erhalten einen Guthabenzins in Höhe von 0,25 % p. a. Hinzu kommen die staatliche Arbeitnehmersparzulage in Höhe von 43 Euro pro Jahr sowie die Wohnungsbauprämie über weitere 45 Euro pro Jahr.

  • Eingezahlte Summe vom Chef: 1.872 Euro (26 Euro x 12 Monate x 6 Jahre)
  • Ihr Eigenanteil: 1008 Euro (14 Euro x 12 Monate x 6 Jahre)
  • Gesamteinzahlung: 2880 Euro (1872 + 1008)
  • Zinsen: 29 Euro (0,25 Prozent pro Jahr)
  • staatliche Arbeitnehmersparzulage: 301 Euro (43 Euro x 7 Jahre)
  • staatliche Wohnungsbauprämie: 315 Euro (45 Euro x 7 Jahre)
  • Ertrag (Zinsen + Förderung) nach 7 Jahren: 645 Euro
  • Gesamtsumme nach 7 Jahren: 3.525 Euro

Fazit

Sie bekommen am Ende 3.522 Euro ausgezahlt. Ihr Eigenanteil beträgt 1008 Euro. Der Rest des Kapitals (2517 Euro) setzt sich aus den Zahlungen Ihrer Firma, der Verzinsung sowie der staatlichen Förderung zusammen.

Banksparplan

Der Banksparplan ist ein Sparvertrag mit fester Laufzeit, in den monatlich einzahlt wird. Der Zinssatz wird zu Beginn fest vereinbart. Er ist je nach Tarif während der gesamten Laufzeit gleichbleibend, oder steigt jährlich an. Dieser VWL Vertrag ist an keinen bestimmten Verwendungszweck gebunden, und wegen der Einlagensicherung eine risikoarme Kapitalanlage. Die Verzinsung ist jedoch mit aktuell höchstens 1,0 Prozent eher durchschnittlich. Wichtig zu wissen: Für diese Anlage wird aktuell keinerlei staatliche Förderung gezahlt.

Für wen eignet sich der Banksparplan?

Der Banksparplan bietet eine solide sichere Geldanlage mit einer festen Laufzeit und freier Verwendung nach Ablauf der 7 Jahre. Er lohnt sich dann, wenn der Sparer eine sichere Anlage möchte, ohnehin keine staatliche Förderung erhält, und keine Investition in eine Immobilie plant.

Rechenbeispiel

Wie in den Beispielen oben zahlt Ihr Betrieb eine vermögenswirksame Leistung in Höhe von 26 Euro an Sie. Den Rest in Höhe von 14 Euro stocken Sie selbst auf, sodass Sie auch hier den Gesamtbetrag in Höhe von monatlich 40 Euro monatlich nutzen können. Die Verzinsung beträgt in diesem Rechenbeispiel 1 Prozent pro Jahr. Eine staatliche Förderung gibt es wie bereits erwähnt nicht. Wie immer wird 6 Jahre eingezahlt, im siebten Jahr ruht das Kapital.

  • Eingezahlte Summe vom Chef: 1.872 Euro (26 Euro x 12 Monate x 6 Jahre)
  • Ihr Eigenanteil: 1008 Euro (14 Euro x 12 Monate x 6 Jahre)
  • Gesamteinzahlung: 2880 Euro (1872 + 1008)
  • Zinsen: 118 Euro (1,00 Prozent pro Jahr)
  • staatliche Förderung: keine
  • Gesamtsumme nach 7 Jahren: 2.998 Euro

Fazit

Wie schon in den Beispielen oben haben Sie selbst 1008 Euro hinzugesteuert. Der Endbetrag in Höhe von 2998 Euro fällt jedoch aufgrund der niedrigen Verzinsung sowie der fehlenden staatlichen Förderung deutlich niedriger aus als beim Bausparen und den Fonds.

Lebensversicherung

Die Kapitallebensversicherung (KLV) ist eine Versicherung zur Bildung einer privaten Altersvorsorge oder zur Absicherung der Angehörigen im Todesfall. Am Ende der von Ihnen gewählten Laufzeit bekommen Sie die eingezahlten Beiträge plus Zinsen und Überschussbeteiligung entweder in einem Betrag oder monatlich ausgezahlt. Aufgrund der regelmäßigen monatlichen Einzahlungsmöglichkeit lässt sich die LV auch für Vermögenswirksame Leistungen nutzen. Die Höhe der am Laufzeitende ausgezahlten Leistung hängt davon ab, wie profitabel der Versicherer wirtschaftet. Legt die Versicherung die gezahlten Beiträge konservativ an, ist das Verlustrisiko für Sie sehr gering, die Rendite jedoch eher niedrig. Hinweis: Genau wie beim Banksparplan gibt es keinerlei staatliche Förderung.

Für wen lohnt sich die LV?

Der Focus einer Lebensversicherung liegt auf einer langfristigen Ansammlung von Kapital, z.B. für die Rente. Eine Auszahlung und Verwendung des Ersparten nach 7 Jahren ist deshalb nicht vorgesehen. Wer das Kapital kurzfristig nicht benötigt und ohnehin etwas für später tun möchte, kann mit den VL-Zahlungen die spätere Ablaufleistung seiner LV erhöhen. Aufgrund der niedrigen Verzinsung und der fehlenden staatlichen Zulagen ist der finanzielle Vorteil jedoch eher begrenzt.

Rechenbeispiel

Da es hier nicht zu einer Auszahlung nach 7 Jahren kommt, ist eine Vergleichsrechnung an dieser Stelle nicht möglich.

Betriebliche Altersvorsorge

Als betriebliche Altersvorsorge (bAV) bezeichnet man den vom Arbeitgeber finanziell unterstützten Aufbau einer zusätzlichen Rente. Hierfür gibt es grundsätzlich zwei Modelle: Bei der klassischen betrieblichen Altersversorgung übernimmt das Unternehmen die gesamten Beiträge. Diese werden bei Erreichen des Rentenalters als monatliche Betriebsrente ausgezahlt. Alternativ dazu können Sie maximal 520 Euro pro Monat von Ihrem Bruttolohn für Ihre betriebliche Altersvorsorge verwenden (Entgeltumwandlung). Ihr Nettoeinkommen verringert sich dadurch nur geringfügig, da auf den umgewandelten Teil keine Steuern und Sozialabgaben anfallen. Das einbehaltene Arbeitsentgelt inklusive der VL-Zahlungen werden meist bei einem Direktversicherer oder einer Pensionskasse festverzinslich angelegt. Die Höhe der Verzinsung ist eher konservativ, und hängt vom jeweiligen Marktzins für risikoarme Finanzanlagen (z.B. Staatsanleihen) ab.

Für wen lohnt sich dieser VWL-Vertrag?

Wie bei der Lebensversicherung ist auch die Einzahlung in die betriebliche Altersvorsorge als langfristiges Investment zu betrachten. Daher: keine Auszahlung und Verwendung des Kapitals nach 7 Jahren. Wer jedoch keine sonstigen Sparziele hat, kann mit den Zahlungen seine spätere Rente aufstocken. Die Verzinsung des Kapitals ist etwa so hoch wie bei der Lebensversicherung. Auch für die BAV gibt es keine staatlichen Zulagen.

Rechenbeispiel

Da wie bei der Lebensversicherung keine Auszahlung des Gesamtbetrags nach 7 Jahren erfolgt, verzichten wir auch hier auf das Rechenbeispiel.

Tilgung von Baudarlehen

Wer bereits eine Immobilie finanziert, kann den Zuschuss aus den VWL in die Darlehenstilgung einfließen lassen. Mit einer höheren Rückzahlung reduziert der Kreditnehmer die Zinskosten, und zahlt den Kredit letztlich schneller ab. Dies macht sich spätestens bei der nächsten Anschlussfinanzierung bemerkbar. Bei dieser VWL-Variante handelt es sich nicht um ein klassisches Sparprodukt, bei dem eine Verzinsung gezahlt wird. Die Rendite ergibt sich hierbei aus den ersparten Zinsen, die jetzt nicht mehr für das Baudarlehen aufgewendet werden müssen. Hinweis: Die Baukredittilgung wird staatlich gefördert. Der Sparer erhält eine Arbeitnehmersparzulage von bis zu 43 Euro pro Jahr.

Für wen lohnt sich VL-Darlehenstilgung?

Diese Variante eignet sich für Sparer, die ohnehin bereits einen Baukredit abzahlen. Gibt es keine sonstigen kurzfristigen Sparziele, ist es durchaus sinnvoll, mit den VL die Darlehensrückzahlung zu beschleunigen. Mit der staatlichen Förderung können die eigenen Zahlungen aufgestockt werden.

Rechenbeispiel

Da es sich nicht um ein klassisches Sparprodukt mit Verzinsung und festem Auszahlungstermin handelt, lässt sich auch hier keine Vergleichsrechnung anstellen.

Staatliche Förderung

Die folgenden staatlichen Förderungen gibt es für Fonds, Bausparen & Co. Für den Bezug der Arbeitnehmersparzulage sowie der Wohnungsbauprämie gelten bestimmte Einkommensgrenzen, siehe unten.

Anlageformen und Prämien
Sparform
Arbeitnehmersparzulage – ledig / verheiratet
Wohnungsbauprämie – ledig / verheiratet

Fondsparen
bis 80€ / 160€ Jahr
nein

Bausparen
bis 43€ / 86€ Jahr
bis 45€ / 90€ Jahr

Tilgung von Baukrediten
bis 43€ / 86€ pro Jahr
nein

Bank-Sparplan
nein
nein

Lebens-versicherung
nein
nein

Betriebliche Altersvorsorge
nein
nein

Achtung Einkommensgrenzen: Die staatlichen Förderungen gibt es nur, wenn Arbeitnehmer ein bestimmtes Jahreseinkommen (zu versteuerndes Einkommen) nicht überschreiten. Die Arbeitnehmersparzulage erhält, wer nicht mehr als 17900€ / 35800€ (ledig / verheiratet) pro Jahr verdient. Bei der Wohnungsbauprämie liegt die Grenze bei 25600€ / 51200€ (ledig / verheiratet).

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