Entgeltumwandlung: sinnvoll oder teure Illusion? die Vor- und Nachteile

Wann lohnt sich die EntgeltumwandlungSparen für die Rente ist immer eine gute Idee – vor allem wenn es staatliche Vergünstigungen gibt. Eine Möglichkeit hierfür ist die betriebliche Altersvorsorge in Form der Entgeltumwandlung. Doch diese ist nicht für jeden sinnvoll. Wie die Sache funktioniert, welche Vor- und Nachteile es gibt, und was Sie als Arbeitnehmer beachten sollten.

Die Vorteile und Nachteile im Überblick

Vorteile
  • Sparen ohne Eigenleistung: Der Arbeitgeber zahlt einen Zuschuss. Der Arbeitnehmer kann somit einen Teil seiner Altersvorsorge ohne Eigenleistung ansparen.
  • staatliche Förderung: Für den Anteil des Bruttogehalts der für die betriebliche Altersvorsorge verwendet wird, werden keine Steuern und Sozialabgaben fällig.
  • unkomplizierte Handhabung: Der Eigenanteil des Sparbeitrags wird direkt vom Bruttogehalt einbehalten, und abgeführt.
Nachteile
  • nachgelagerte Besteuerung: Von der späteren Auszahlung im Rentenalter werden Steuern sowie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung einbehalten.
  • weniger gesetzliche Rente: Durch das verringerte Bruttoeinkommen werden niedrigere Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, wodurch sich der spätere Rentenanspruch verringert.
Fazit
Wann ist die Entgeltumwandlung sinnvoll?

Die Rendite des Vertrags + Arbeitgeberzuschuss + staatliche Vergünstigungen müssen insgesamt höher sein als die späteren Abzüge bei der Rente.

Für die meisten Arbeitnehmer ist dies dann der Fall, wenn sich der Arbeitgeber mit mindestens 20 Prozent an den Einzahlungen beteiligt.

Was bedeutet Entgeltumwandlung?

Bei der Entgeltumwandlung – häufig auch als Gehaltsumwandlung bezeichnet – zahlt ein Arbeitnehmer einen Teil seines Bruttogehalts in eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) ein. Der Arbeitgeber behält den Teil des Lohns direkt ein, und überweist das Geld in einen Sparvertrag. Der Teil des Gehalts, welcher der Arbeitnehmer für die Entgeltumwandlung nutzt, ist von Steuern und Sozialabgaben befreit.

So funktioniert´s

Der Arbeitgeber erwirbt eine Rentenpolice. Dies geschieht über eine Pensionskasse, einen Pensionsfond oder eine Direktversicherung (mehr Infos hier) Laut Gesetzgeber ist der Betrieb Vertragspartner des Versicherungsunternehmens. Versichert ist allerdings nur der Mitarbeiter, dem von Anfang an und für immer diese Police gehört. Das gilt auch für den Fall einer Insolvenz der Firma oder bei einem Wechsel des Arbeitgebers. In diesem Fall nimmt der Beschäftigte die Police in die neue Firma mit, der neue Arbeitgeber übernimmt i.d. Regel den bestehenden Vertrag.

Der genaue Ablauf

  • 1. Bietet Ihnen Ihr Arbeitgeber die betriebliche Altersvorsorge nicht von sich aus an, fragen Sie gezielt nach. Seit 2002 sind Firmen zur Entgeltumwandlung verpflichtet.
  • 2. Fragen Sie Ihren Chef nach einem Zuschuss, seit 2019 besteht ein Anspruch darauf.
  • 3. Der Betrieb entscheidet, welche Art von Vertrag abgeschlossen wird.
  • 4. Der Arbeitgeber zieht die Beiträge dem Mitarbeiter vom Bruttolohn ab, und erledigt die Überweisung an die Versicherung.

Ab 2019 sind Arbeitgeber zur Bezuschussung verpflichtet

Der Arbeitnehmer hat einen gesetzlichen Anspruch auf die Entgeltumwandlung. Seit 2019 muss der Arbeitgeber sogar 15 Prozent des Ansparbetrags mit einem Zuschuss erweitern. Für die Firma entstehen dadurch keine Extrakosten. Denn sie spart daran ebenfalls – und zwar die Hälfte ihres Arbeitgeberanteils bei der Steuer- und Abgabenlast für den Rentenbetrag. Dieses Zuschussmodell gilt ab 2022 auch für Altverträge, die vor 2019 abgeschlossen wurden.

Möglichkeiten der Anlage

Pensionskasse

Träger der Umwandlung können auf die betriebliche Altersvorsorge spezialisierte Lebensversicherungsgesellschaften sein. Diese Unterstützungskasse leistet dann im Alter die Rentenzahlung.

Pensionsfond

Großunternehmen gründen häufig firmeneigene Pensionsfonds. Anders als ihre restlichen Einrichtungen können diese Gesellschaften ihr Vermögen auch in größeren Teilen in Aktien anlegen.

Direktversicherung

Schließt der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter direkt bei einer Lebensversicherung eine Police ab, spricht man von einer Direktversicherung. Die Lebensversicherungsgesellschaft leistet dann im Alter die Rentenzahlung.

Höhe (Höchstbetrag) für 2019

Die folgende Tabelle enthält die baV Höchstbeträge nach § 3 Nr. 63 EStG für das Jahr 2019. Die Höhe orientiert sich immer an der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung für Westdeutschland.

bAV Höchstbeitrag Steuer
8% der Beitragsbemessungsgrenze: 6.432 Euro pro Jahr, das entspricht 536 Euro pro Monat
bAV Höchstbeitrag Sozialversicherung
4% der Beitragsbemessungsgrenze: 3.216 Euro pro Jahr, das entspricht 268 Euro pro Monat

Vorteile

Die Gehaltsumwandlung bietet finanzielle Vorteile: Für den Teil des Bruttogehalts, der in die betriebliche Versicherung eingezahlt wird, werden keine Steuern und Sozialabgaben abgezogen. Abgaben und Steuern fallen nur für das verbleibende Einkommen an. So zahlt zum Beispiel ein Angestellter mit einem Monatsgehalt von 2.700 Euro, der monatlich 200 Euro in die Betriebsrente einzahlt, rund 20 Euro monatlich weniger für die Kranken- und Pflegeversicherung. Man spart also mit staatlicher Förderung für das Alter an, und legt dabei mehr auf die Seite, als beim Nettoeinkommen fehlt. Zudem bezuschusst der Arbeitgeber den geleisteten Betrag. Je nach Höhe des Zuschusses wird das Geschäft für den Arbeitnehmer zunehmend attraktiv. Die Abwicklung selbst läuft ganz unbürokratisch ab. Auch bei der Steuererklärung müssen diese Extraausgaben nicht gesondert angeführt werden. Das umgewandelte Gehalt, das direkt vom Lohn abgeht, wird in der Jahresabrechnung der Lohnsteuer automatisch berücksichtigt.

Nachteile

Die geringeren Sozialabgaben und Steuervorteile lassen die Gehaltsumwandlung auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen. Allerdings gibt es auch einen Nachteil, den viele Beschäftigte nicht bedenken. Durch das verringerte Bruttoeinkommen zahlen sie in die gesetzliche Rentenversicherung auch niedrigere Beiträge ein. Somit verringert sich auf lange Sicht auch der gesetzliche Rentenanspruch. Ein weiterer Nachteil birgt die Abgabenlast, die erst mit Zuteilung der Rente schlagend wird: Für die spätere Betriebsrente fallen relativ hohe Abgaben für die gesetzliche Krankenversicherung und für die Pflegeversicherung an.

Fazit: für wen ist sie sinnvoll?

Die staatliche Förderung der Entgeltumwandlung erfolgt über eine Reduzierung der Steuer sowie der Sozialabgaben während der Einzahlungsphase im Erwerbsleben. Allerdings holt sich der Staat diese Förderung später teilweise wieder zurück. Ist man erst in Rente, muss die Betriebsrente voll versteuert werden. Ein kleiner Vorteil verbleibt jedoch, da der persönliche Steuersatz bei Rentnern meist geringer ist als im Erwerbsleben. Von der Entgeltumwandlung profitieren neben privat Krankenversicherten vor allem Gutverdiener. Wer mit seinen Einkünften auch im Alter über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, muss auf alle darüberliegenden Beträge keine Sozialabgaben entrichten. Wer nicht in diese Gruppe fällt, profitiert nur dann, wenn der Arbeitgeber mindestens 20 Prozent dazu zahlt. Ob sich das Ganze lohnt, hängt auch von der Rendite des Vertrags ab. Prognosen lassen sich bei der privaten Altersvorsorge nur schwer erstellen, da die Gesamtverzinsung von der wirtschaftlichen Entwicklung sowie von der Qualität und Finanzstärke des jeweiligen Anbieters abhängt.


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