So können Sie Vermögenswirksame Leistungen anlegen

Ob neue Wohnungseinrichtung oder ein Auto – die nächste Anschaffung kommt bestimmt. Wer rechtzeitig etwas auf die Seite legt, braucht später keinen Kredit. Vermögenswirksame Leistungen bieten sparen ohne Eigenleistung. Denn hier zahlt Ihr Arbeitgeber für Sie ein – Monat für Monat. Eine Prämie vom Staat gibt es noch dazu. Und so können Sie das Geld vom Chef lukrativ anlegen:

➥ So gehen Sie vor

  • 1. Erkunden Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber, ob und wie viel VL Sie erhalten.
  • 2. Wählen Sie einen Sparvertrag aus. Schließen ihn online ab, siehe Übersicht hier.
  • 3. Überreichen Sie Ihrem Arbeitgeber die Bescheinigung des Anbieters.

Ob Ihr Arbeitgeber die Leistung gewährt, erfahren Sie anhand Ihres Arbeitsvertrags oder bei der Personalabteilung. Die meisten Firmen zahlen die VL zumindest anteilig. Experten raten, den Differenzbetrag bis zu 40 Euro monatlich selbst aufzustocken, um kein Geld zu verschenken, und die volle Förderung zu erhalten. Schließen Sie entweder einen Fondsparplan, ein Bausparvertrag oder eine andere Möglichkeit bei einem Anbieter ab, siehe Übersicht unten.

So können Sie Ihre VL anlegen

Welches Sparziel verfolgen Sie, und wie sieht Ihre Lebensplanung aus? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie Vermögenswirksame Leistungen anlegen können. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über Rendite, Verlustrisiko sowie die Möglichkeit zum Vergleich verschiedener Anbieter.

Anlagemöglichkeiten im Überblick
Anlage-/ Sparform
Rendite und Verlustrisiko
mehr Infos / Zum Anbieter
Fondsparplan
ja
Ø 4,5 Prozent (bis zu 8 % möglich),
moderates Risiko
Bausparen
ja
Ø 0,25 Prozent
geringes Risiko
Banksparplan
nein
0,25%-1,5% variabel,
geringes Risiko
Tilgung von Baudarlehen
ja
in Höhe der Ersparnis der Darlehenszinsen,
kein Risiko
Kontakt mit der Bank aufnehmen
Betriebliche Altersvorsorge
nein
in Höhe der Rendite Ihres AV-Vertrags,
Risiko analog Ihres AV-Vertrags
Kontakt zum Arbeitgeber aufnehmen
Lebens- versicherung
nein
garantierter Zins 0,9% (Stand 2019),
geringes Risiko

Die Anlagemöglichkeiten im Detail

Die Zahlungen aus den VL können Sie entsprechend Ihrem individuellen Sparziel investieren. Die Höhe der voraussichtlich zu erwartenden Rendite, mögliche Verlustrisiken sowie Zahlung und Umfang der staatlichen Förderung spielen bei der Auswahl eine Rolle. Wir erläutern die Anlageformen im Detail.

Fondssparen

Bei einem Fondssparplan wird monatlich eine bestimmte Geldsumme (bei Vermögenswirksamen Leistungen bis zu 40 Euro) in einen Investmentfonds eingezahlt. Die Fondgesellschaft legt den Betrag dann in Aktien, festverzinslichen Wertpapieren, Indizes oder Immobilien an. Außerdem gibt es noch gemischte Fonds, die das Kapital ihrer Anleger zwecks Risikostreuung in verschiedene Bereiche investieren. Mittlerweile dürfen Sie sogar ausländische Fonds besparen. Haben Sie einen Anspruch auf staatliche Fördermittel, kommt für Sie allerdings nur ein Aktienfonds infrage. Fondssparpläne haben keine festgelegte Laufzeit und können bei Bedarf auch kurzfristig gekündigt werden. Da eine höhere Rendite eher langfristig erzielt werden kann, wird von einem vorzeitigen Ausstieg jedoch abgeraten.

Bausparen

Sie schließen mit einer Bausparkasse einen Vertrag ab, in den Sie monatlich einen festgelegten Geldbetrag einzahlen. Nach dem Erreichen der Zuteilungsreife (Mindestlaufzeit und Mindestguthaben) sind Sie berechtigt, ein zinsvergünstigtes Darlehen zu beziehen, welches für eine Immobilienfinanzierung verwendet werden darf. Das angesparte Guthaben kann auch ohne Darlehen zweckgebunden z.B. für eine neue Wohnungseinrichtung genutzt werden.

Tipp: Bei kleineren Bausparsummen bis z.B. 20.000 Euro überprüfen die Bausparkassen die Verwendung i.d. Regel nicht, sodass Sie Ihre Anschaffung auch hier frei wählen können.

Banksparplan

Hierbei gehen Sie mit einer Bank oder Sparkasse Ihrer Wahl einen Sparvertrag mit einer festgelegten Laufzeit ein. In diesen zahlen Sie jeden Monat einen bestimmten Betrag ein. Die Verzinsung erfolgt je nach Vertragsbedingungen jährlich in gleicher Höhe oder gestaffelt mit steigendem Zinssatz zum Ende der Laufzeit.

Tilgung von Baukrediten

Wer einen Kredit für sein Haus abzahlt, kann Vermögenswirksame Leistungen zur Rückzahlung (Tilgung) nutzen. Hierbei muss kein separater Vertrag für die VL abgeschlossen werden. Die monatlichen Beiträge können einfach auf das bestehende Kreditkonto eingezahlt werden. Die Bank bescheinigt dem Arbeitgeber die Einzahlungen. Der Sparer erwirtschaftet hiermit zwar keine Verzinsung im eigentlichen Sinne. Da jedoch durch die zusätzlichen Einzahlungen die Gesamtsumme des Baudarlehens schneller sinkt, lassen sich hierdurch Kreditzinsen einsparen. Die Zinsersparnis ist im Endeffekt die Rendite.

Betriebliche Altersvorsorge

Zahlt der Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge, lässt sich diese ebenfalls mit den Vermögenswirksamen Leistungen kombinieren. Der Dienstherr zahlt die Sparrate einfach zusätzlich in den bereits bestehenden Altersvorsorgevertrag ein. Der Arbeitnehmer stockt so die monatliche Einzahlung für seine spätere Rente auf. Die staatlichen Prämien gibt es zwar nicht, jedoch spart der Angestellte für diesen Lohnanteil Steuern und Sozialabgaben. Im Alter müssen die Rentenauszahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge jedoch insgesamt versteuert werden. Nachteil dieser Sparvariante: im Gegensatz zu den anderen VL-Verträgen kann der Sparer nicht nach 7 Jahren über das Geld verfügen. Der Zugriff auf eine betriebliche Altersvorsorge ist erst im Rentenalter möglich.

Lebensversicherung

Um in eine Kapitallebensversicherung zu investieren, schließen Sie mit einem Versicherungsunternehmen einen Vertrag mit einer Mindestlaufzeit von 12 Jahren ab. Der Anbieter garantiert Ihnen für die Dauer der Laufzeit einen festen Mindest-Zinssatz, der je nach Entwicklung der Märkte von der Versicherung nach oben angepasst werden kann. Der Vertrag beinhaltet einen sofortigen Hinterbliebenenschutz. Bei Ablauf des Vertrages bekommen Sie das angesparte Kapital sowie die Rendite mit Überschussbeteiligung als Einmalleistung ausgezahlt. Für die LV gibt es leider aktuell keine staatliche Förderung.

Welcher Vertrag eignet sich für mich?

Möchten Sie Ihre VL vorzugsweise für den Kauf oder Bau einer Wohnimmobilie nutzen, sollten Sie einen Bausparvertrag wählen. Darüber hinaus können Sie das angesparte Geld später zum Ablösen Ihres Baukredits einsetzen. Möchten Sie selbst bestimmen, wofür Sie das angesammelte Kapital ausgeben, sind andere Sparformen besser geeignet. Ein Banksparplan bietet ein geringes Verlustrisiko, hohe Zinsen sind jedoch nicht zu erwarten. Dasselbe gilt für die Lebensversicherung. Die Einzahlung in eine betriebliche Altersvorsorge ist als eher langfristiges Sparziel anzusehen. Die Höhe der Auszahlung im Alter richtet sich danach, welchen Sparvertrag der Arbeitgeber gewählt hat. Möchten Sie eine flexible Verwendung mit einer hohen Rendite kombinieren, liegen Sie mit einem Fondsparplan richtig. Fondssparen ist grundsätzlich mit einem höheren Verlustrisiko verbunden, wenn sich die Finanzmärkte ungünstig entwickeln.

Was sind Vermögenswirksame Leistungen?

Vermögenswirksame Leistungen sind Geldbeträge, mit denen sich der Arbeitgeber freiwillig und einmal monatlich am Vermögensaufbau seiner Mitarbeiter beteiligt. Rechtsgrundlage dafür ist das Fünfte Vermögensbildungsgesetz (5. VermBG). Zahlt der Betrieb die freiwillige Leistung auf der Basis

  • eines Arbeitsvertrages
  • eines Tarifvertrages
  • einer Betriebsvereinbarung,

hat jeder Angestellte, Arbeiter, Auszubildende, Beamte und Berufssoldat Anspruch auf regelmäßigen Erhalt dieses Zuschusses.

Höhe

Der vom Arbeitgeber gezahlte Höchstbetrag liegt bei 40 Euro im Monat. Leistet er den Zuschuss auf der Basis eines Tarifvertrages, hängt seine Höhe von der jeweiligen Branche und dortigen individuellen Bedingungen ab.

Tipp: Sie haben grundsätzlich immer die Möglichkeit, Ihren Sparbeitrag mit eigenen Mitteln aufzustocken, um den Höchstbetrag von 40 Euro zu erreichen. So verschenken Sie kein Geld.

Vorteile und Nachteile

VWL bieten überwiegend Vorteile, Nachteile gibt es hingegen kaum. Die Besteuerung der Zinserträge ist bei nahezu jeder Geldanlage verpflichtend.

Die Vorteile im Überblick

  • Sie sind schnell und unkompliziert zu beantragen.
  • verringern oder ersetzen den selbst gezahlten Sparbetrag
  • haben eine überschaubare Laufzeit, die sich mit dem Sparziel des Anlegers verbinden lässt
  • werden bei manchen Sparformen staatlich bezuschusst
  • Vermögenswirksame Leistungen lassen sich nahezu beliebig anlegen.

Die Nachteile im Überblick

  • Sie unterliegen (wie jede Geldanlage) grundsätzlich der Steuer- und Abgabenpflicht, siehe jedoch Steuerfreibetrag
  • Bei vorzeitiger Kündigung muss die staatliche Förderung zurückgezahlt werden!

Laufzeit und Fristen

Die Mindestlaufzeit beträgt sieben Jahre. Der Arbeitgeber zahlt sie sechs Jahre lang jeden Monat ein. Danach ruht der angesparte Geldbetrag für 12 Monate. Erst danach können Sie über das angesammelte Kapital verfügen. Die staatliche Förderung wird am Ende der Sperrfrist als Einmalzahlung für die gesamte Laufzeit überwiesen.

Der Vertrag endet, wie geht es weiter?

Nach Ende der Laufzeit erhalten Sie Ihr Kapital zuzüglich Verzinsung und staatlicher Förderung ausgezahlt. Verfügen Sie über einen Bausparvertrag, können Sie den Geldbetrag z.B. für eine Renovierung in Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung nutzen. Haben Sie in eine nicht zweckgebundene Anlageform wie z.B. Fonds investiert, können Sie frei entscheiden, ob Sie das Geld nun für eine beliebige Investition verwenden, oder den Vertrag für weitere 7 Jahre besparen. Letztere Variante eignet sich z.b. dann, wenn Sie langfristig Rücklagen bilden möchten. Zahlen Sie in eine betriebliche Altersvorsorge ein, ist eine Fortführung ohnehin gegeben.

Staatliche Förderung

Als Arbeitnehmer haben Sie Anspruch auf staatliche Förderung, wenn Sie in bestimmte Sparformen investieren, und Ihr Einkommen einen bestimmten Höchstbetrag nicht übersteigt. Eine Zahlung vom Arbeitgeber ist hierfür keine Voraussetzung, auch die eigene Besparung wird bezuschusst. Um die Höchstförderung zu bekommen ist es deshalb sinnvoll, eine verbleibende Differenz durch Eigenleistung aufzustocken. Es gibt zwei Arten der VL-Förderung, die Arbeitnehmersparzulage sowie für Bausparer zusätzlich die Wohnungsprämie.

Arbeitnehmersparzulage

Mit der Arbeitnehmersparzulage möchte der Staat Bürgern mit kleinem und mittlerem Arbeitseinkommen helfen, Vermögen anzusparen und Schulden abzubauen. Einen Anspruch auf Arbeitnehmersparzulage haben Sie, wenn Sie als ledige Person maximal 17.900 Euro an zu versteuerndem Jahreseinkommen aufweisen (Verheiratete: 35.800 Euro). Zur Beantragung reichen Sie den ausgefüllten Mantelbogen zusammen mit der Bescheinigung vom Anbieter beim Finanzamt ein. Sie haben die Möglichkeit, den Zuschuss für vier Jahre rückwirkend zu beantragen. Die vom Staat gewährte Förderung ist generell steuer- und abgabenfrei.

Arbeitnehmersparzulage für Bausparen

Der Staat beteiligt sich mit 9 % Zuschuss auf die jährlich eingezahlte Summe bis zu einem Höchstbetrag von 43 Euro jährlich (86 Euro für Verheiratete). Dies gilt sowohl für abgeschlossene Bausparverträge als auch für die Tilgung eines bestehenden Baukredits. Um die Höchstförderung zu erhalten, sollten Sie bis zu 470 Euro jährlich in Ihren Bausparer investieren.

Arbeitnehmersparzulage für Fondsparen

Beschäftigte die in einen Aktienfondssparplan investieren, bekommen eine Förderung in Höhe von 20 % auf die pro Jahr angesparte Kapitalsumme. Zahlen Sie jährlich bis zu 400 Euro in diesen ein, haben Sie damit einen Anspruch auf den Maximalbetrag in Höhe von 80 Euro pro Jahr. Voraussetzung: Ihr zu versteuerndes jährliches Einkommen beträgt maximal 20.000 Euro (Verheiratete: 40.000 Euro).

Wohnungsbauprämie

Bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von höchstens 25.600 Euro (51.200 Euro für Verheiratete) können Sie als Bausparer zusätzlich zur Arbeitnehmersparzulage die Wohnungsbauprämie beantragen. Weitere Voraussetzungen sind, dass Sie das Geld zum Erwerb von Wohneigentum investieren, und mindestens 50 Euro jährlich einzahlen. Mit der Wohnungsbauprämie werden nur Bausparverträge und Genossenschaftssparverträge vom Staat unterstützt. Sie erhalten 8,8 % auf Ihre jährlich geleisteten Einzahlungen. Möchten Sie den vollen Zuschuss in Höhe von 45 Euro (90 Euro für Verheiratete) erhalten, sollten Sie allerdings pro Jahr maximal 512 Euro in Ihren Sparvertrag einzahlen. Die Beantragung der Wohnungsbauprämie erfolgt durch Ihre Bausparkasse.


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