Sozialversicherungsbeiträge in Deutschland

Um eine Gesundheitsversorgung für Arbeitnehmer, aber auch deren finanzielle Absicherung bei Invalidität, bei Pflegebedürftigkeit oder im Alter zu gewährleisten, entstanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts zunächst berufsspezifische Krankenkassen, Unfallversicherungen und später das Rentenversicherungssystem. Hieraus entwickelte sich schrittweise die Sozialversicherung in Deutschland, wie wir sie heute kennen. Die Finanzierung erfolgt durch regelmäßige Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Was ist ein Sozialversicherungsbeitrag?

Bei der Sozialversicherung handelt es sich um unser staatliches Versorgungssystem, welches im Falle von Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Arbeitslosigkeit oder auch zur Finanzierung des Ruhestands für den Versicherten eintritt. Das System wird durch Beitragszahlungen der Versicherten (Arbeitnehmer) sowie der Arbeitgeber finanziert. Hieraus ergibt sich der Begriff Sozialversicherungsbeitrag.

Welche Sozialversicherungsbeiträge gibt es?

Die wesentlichen Sozialversicherungsbeiträge beziehen sich auf die Kranken-, die Renten-, die Pflege- sowie die Arbeitslosenversicherung. Daneben gibt es Beiträge zur Absicherung der Arbeitnehmer bei Unfall, Krankheit, Schwangerschaft sowie bei Insolvenz des Arbeitgebers. Im Folgenden werden die einzelnen Sozialversicherungsbeiträge sowie deren Höhe erläutert.

Gesetzliche Krankenversicherung

Der bundesweit einheitliche Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung beträgt seit dem Jahr 2015 14,6 Prozent. Hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Krankengeld, gilt für ihn ein ermäßigter Beitrag in Höhe von 14,0 Prozent. In beiden Fällen beteiligt sich der Arbeitgeber zu 50 Prozent.

Was ist der Zusatzbeitrag?

Ergänzend zum allgemeinen oder ermäßigten Beitragssatz berechnen die Krankenkassen seit 2015 einen Zusatzbeitrag. Dieser kann bis zu 1,8 Prozent des Bruttolohns betragen. Für 2016 und 2017 wurden von den verschiedenen Krankenkassen in Deutschland durchschnittlich 1,1 Prozent der Bruttoeinkommen als Zusatzbeitrag erhoben. Der Zusatzbeitrag wird ausschließlich vom Arbeitnehmer geleistet.

Der Arbeitnehmer kann durch Auswahl bzw. Wechsel seiner Krankenkasse die Höhe seines Zusatzbeitrags selbst beeinflussen, siehe auch Krankenkassenvergleich.

Gesetzliche Rentenversicherung

Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung werden hälftig von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Der zu teilende Beitragssatz liegt bei 18,7 Prozent des Bruttoverdiensts. Die Beitragssätze gelten seit 2015. In den Jahren 2014 und 2013 wurden 18.9 Prozent erhoben.

Gesetzliche Pflegeversicherung

Für das Jahr 2017 gilt in der Pflegeversicherung ein Beitragssatz in Höhe von 2,55 Prozent des Bruttolohns, welcher hälftig von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu zahlen ist. Kinderlose Arbeitnehmer müssen darüber hinaus ab der Vollendung des 23. Lebensjahrs einen Zusatzbeitrag in Höhe von 0,25 Prozent zur Pflegeversicherung abführen. In der gesetzlichen Pflegeversicherung gilt für das Bundesland Sachsen seit 1996 eine Ausnahmeregelung. Da dort der Buß- und Bettag weiterhin als arbeitsfrei gilt, obwohl er in Sachsen als Feiertag abgeschafft wurde, werden die Arbeitnehmer zum Ausgleich stärker an den Kosten zur Pflegeversicherung beteiligt. Sächsische Arbeitnehmer tragen also aktuell einen Anteil in Höhe von 1,775 Prozent, Arbeitgeber nur 0,775 Prozent vom Bruttoeinkommen.

Die Beiträge zur Pflegeversicherung sind in den letzten Jahren gestiegen: Beliefen sie sich für Arbeitnehmer mit Kindern im Jahr 2014 noch auf 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent), waren es in den Jahren 2015 und 2016 bereits 2,35 Prozent (2,6 Prozent), bevor sie 2017 nochmals erhöht wurden.

Gesetzliche Arbeitslosenversicherung

Die Beitragsberechnung zur Arbeitslosenversicherung hat sich seit 2011 nicht verändert: Der Beitragssatz beläuft sich auf 3,0 Prozent, und wird gleichmäßig zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgeteilt.

Gesetzliche Unfallversicherung

Arbeitnehmer sind bei Unfällen während der Arbeitszeit über ihren Arbeitgeber gesetzlich unfallversichert. Die Beiträge werden vom Arbeitgeber gezahlt, und an die jeweilige Berufsgenossenschaft abgeführt. Die Höhe des Beitrags ist neben dem Bruttolohn des Arbeitnehmers von der so genannten Gefahrenklasse abhängig. Die Gefahrenklasse bezeichnet die Unfallgefahr im jeweiligen Berufszweig. Eine einheitliche Aussage zur Beitragshöhe ist somit nicht möglich.

Umlage U1

Ein Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, seinem Arbeitnehmer im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen seinen Lohn weiterzuzahlen. Die Lohnfortzahlung wird durch einen Pflichtbeitrag, die so genannte Umlage U1 finanziert. Die Einzahlungen erfolgen von allen Arbeitgebern solidarisch in einen „Topf“. Mit der Umlage soll gewährleistet werden, dass sich gerade kleinere Arbeitgeber die Lohnfortzahlung für ihre Arbeitnehmer im Krankheitsfall leisten können. Der Beitragssatz ist nicht einheitlich. Die Höhe des Beitrags wird von der jeweiligen Krankenkasse des Arbeitnehmers in deren Satzung festgelegt. Er beträgt je nach Krankenkasse zwischen 1- und 4 Prozent des Arbeitnehmer-Bruttolohns.

Umlage U2

Erwerbstätige Frauen erhalten während der Schwangerschafts- und Entbindungsphase Geld von Ihrem Arbeitgeber, das so genannte Mutterschaftsgeld. Steht bei einer Schwangerschaft der Mitarbeiterin die Entgeltfortzahlung an, kann der Arbeitgeber einen Zuschuss von deren Krankenkasse beantragen. Zur Finanzierung dieser Entgeltfortzahlung führen alle Arbeitgeber gemeinschaftlich einen Beitrag an die Sozialkassen ab. Diese Umlage wird als U2 bezeichnet. Auch der Beitragssatz für die U2-Umlage wird von jeder Krankenkasse individuell festgelegt, und fällt daher unterschiedlich hoch aus.

Insolvenzgeldumlage

Das so genannte Insolvenzgeld erhalten Arbeitnehmer übergangsweise, deren Arbeitgeber Insolvenz anmeldet. Hierfür muss der Arbeitgeber einen Beitrag, die Insolvenzgeldumlage an den Staat abführen. Die Beitragshöhe betrug im Jahr 2016 0,12 Prozent und im Jahr 2017 0,09 Prozent vom Bruttolohn des Arbeitnehmers. Die Insolvenzgeldumlage wird – wenn auch mehr inoffiziell – als U3 bezeichnet.

Beitrag für Sozialversicherung berechnen

Typisch für die genannten Sozialversicherungszweige ist die einkommensabhängige Beitragsberechnung. Maßgeblich ist das Bruttoeinkommen, von dem die Beiträge an die jeweiligen Träger abgeführt werden. Im nachfolgend aufgeführten Beispiel empfängt ein Arbeitnehmer einen in Deutschland durchschnittlichen Brutto-Lohn in Höhe von 3.500 Euro pro Monat. Die Abzüge durch die Sozialversicherungsbeiträge bewegen sich für einen Durchschnittsverdiener etwa zwischen 20 und 21 Prozent des Bruttoverdienst. Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung wurde durchschnittlich angesetzt. Umlagen die nur vom Arbeitgeber zu leisten sind, werden nicht aufgeführt, das sie das Nettoeinkommen des Arbeitnehmers nicht beeinflussen. Sie können die Zahlen auch selbst mit unserem Brutto Netto Rechner nachvollziehen.

Hinweis: Es werden in der Beispielrechnung keine Steuern abgezogen. Deshalb handelt es sich nicht um das Nettoeinkommen.
Beispielrechnung für einen Bruttolohn von 3.500€ pro Monat im Jahr 2017
Lohnberechnung
Monat
Jahr
Brutto
3.500 Euro
42.000 Euro
Krankenversicherung
294,00 Euro
3.528,00 Euro
Pflegeversicherung
53,38 Euro
640,50 Euro
Arbeitslosenversicherung
52,50 Euro
630,00 Euro
Rentenversicherung
327,25 Euro
3.927,00 Euro
verbleibendes Netto vor Steuern
2.772,87 Euro
33.274,44 Euro

Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung

Definition: Als Beitragsbemessungsgrenze wird die Einkommenshöhe bezeichnet, bis zu der die Beiträge für die genannten Sozialversicherungen reell – also abhängig vom Einkommen – berechnet werden. Damit ergeben sich Höchstbeiträge für die einzelnen Versicherungszweige. Denn alle darüber hinausgehenden Einkommensteile werden nicht in die Beitragsberechnung einbezogen.

Während es bei bei den Bemessungsgrenzen für die Renten- und Arbeitslosenversicherung nach wie vor Unterschiede zwischen den neuen und den alten Bundesländern gibt, erfolgt die Berechnung der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung auf einer bundesweit einheitlichen Grundlage. Im Jahr 2017 mussten gesetzliche Versicherte einkommensabhängige Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge bis zu einem Jahrebruttoeinkommen in Höhe von 76.200 Euro (West) bzw. 68.400 Euro abführen. Für die Kranken- und die Pflegeversicherung gelten jährlich 52.200 Euro als Beitragsbemessungsgrenze. Die Größen werden jährlich neu festgelegt. Damit soll der generellen Einkommensentwicklung Rechnung getragen werden.

Übersicht der Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung
Jahr
RentenV / ArbeitslosenV West
RentenV / ArbeitslosenV Ost
KrankenV / PflegeV
2017
76.200
68.400
52.200
2016
74.400
64.800
50.850
2015
72.600
62.400
49.500
2014
71.400
60.000
48.600

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Menü