Sozialversicherungsbeiträge in Deutschland

Die Finanzierung unserer sozialen Absicherung erfolgt durch regelmäßige Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Wir erläutern welche Sozialabgaben es gibt, wie hoch sie sind, sowie die Veränderung zum Vorjahr.

Übersicht Sozialversicherungsbeiträge 2018

Die wesentlichen Abgaben beziehen sich auf die Kranken-, die Renten-, die Pflege- sowie die Arbeitslosenversicherung. Daneben gibt es Beiträge zur Absicherung der Arbeitnehmer bei Unfall, Krankheit, Schwangerschaft sowie bei Insolvenz des Arbeitgebers. In den beiden nachfolgenden Tabellen finden Sie alle Sozialversicherungsbeiträge sowie deren Höhe für Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgelistet. Der nachfolgende Text bietet detaillierte Infos zur jeweiligen Abgabe.

Sozialversicherungsbeitrag
Gesamt
in Prozent
Arbeitgeber
in Prozent
Arbeitnehmer
in Prozent
Gesetzliche Krankenversicherung allgemeiner Beitragssatz
14,60
7,30
7,30
Gesetzliche Krankenkasse ermäßigter Beitragssatz
14,00
7,00
7,00
Gesetzliche Krankenkasse Zusatzbeitrag
1,00 (Durchschnitt aller Kassen in Deutschland)
nichts
komplett
Gesetzliche Pflegeversicherung
2,55
1,275
1,275
Pflegeversicherung bei Kinderlosen
2,80
1,275
1,525
Pflegeversicherung in Sachsen (Ausnahme)
2,55
1,275
0,775
Arbeitslosenversicherung
3,00 Prozent
1,50 Prozent
1,50 Prozent
Gesetzliche Rentenversicherung
18,60 Prozent
9,30 Prozent
9,30 Prozent
Rentenversicherung Knappschaft
24,70 Prozent
15,40 Prozent
9,30 Prozent
Gesetzliche Unfallversicherung
unterschiedlich hoch je Beruf
komplett
nichts
Umlage U1 (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall)
1- und 4 Prozent
komplett
nichts
Umlage U2 (Mutterschaftsgeld)
wird von Krankenkassen individuell festgelegt
komplett
nichts
Umlage U3 (Insolvenzgeldumlage)
0,06 Prozent
komplett
nichts

Übersicht Veränderung zu 2017

Sozialversicherungsbeitrag
Gesamt
in Prozent
Arbeitgeber
in Prozent
Arbeitnehmer
in Prozent
Gesetzliche Krankenversicherung allgemeiner Beitragssatz
14,60
7,30
7,30
Gesetzliche Krankenkasse ermäßigter Beitragssatz
14,00
7,00
7,00
Gesetzliche Krankenkasse Zusatzbeitrag
1,10 (Durchschnitt aller Kassen in Deutschland)
nichts
komplett
Gesetzliche Pflegeversicherung
2,55
1,275
1,275
Pflegeversicherung bei Kinderlosen
2,80
1,275
1,525
Pflegeversicherung in Sachsen (Ausnahme)
2,55
1,275
0,775
Arbeitslosenversicherung
3,00 Prozent
1,50 Prozent
1,50 Prozent
Gesetzliche Rentenversicherung
18,70 Prozent
9,35 Prozent
9,35 Prozent
Rentenversicherung Knappschaft
24,80 Prozent
15,45 Prozent
9,35 Prozent
Gesetzliche Unfallversicherung
unterschiedlich hoch je Beruf
komplett
nichts
Umlage U1 (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall)
1- und 4 Prozent
komplett
nichts
Umlage U2 (Mutterschaftsgeld)
wird von Krankenkassen individuell festgelegt
komplett
nichts
Umlage U3 (Insolvenzgeldumlage)
0,09 Prozent
komplett
nichts

Sozialabgaben im Detail

Im folgenden Abschnitt werden die einzelnen Sozialversicherungsbeiträge, deren Höhe sowie die Veränderungen zum Vorjahr im Detail erläutert.

Gesetzliche Krankenversicherung

Der bundesweit einheitliche Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung beträgt im Jahr 2018 ebenso wie in 2017 14,6 Prozent. Hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Krankengeld, gilt für ihn ein ermäßigter Beitrag in Höhe von 14,0 Prozent. In beiden Fällen beteiligt sich der Arbeitgeber zu 50 Prozent, der Angestellte übernimmt die andere Hälfte.

Was ist der Zusatzbeitrag?

Ergänzend zum allgemeinen oder ermäßigten Beitragssatz berechnen die gesetzlichen Krankenkassen seit 2015 einen Zusatzbeitrag. Dieser kann bis zu 1,8 Prozent des Bruttolohns betragen. Im letzten Jahr wurden von den verschiedenen Kassen in Deutschland durchschnittlich 1,1 Prozent der Bruttoeinkommen als Zusatzbeitrag erhoben. In diesem Jahr wird mit einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag in Höhe von 1,0 Prozent gerechnet. Der Zusatzbeitrag wird ausschließlich vom Arbeitnehmer geleistet.

Der Arbeitnehmer kann durch Auswahl bzw. Wechsel seiner Krankenkasse die Höhe seines Zusatzbeitrags selbst beeinflussen, siehe auch Krankenkassenvergleich.

Gesetzliche Rentenversicherung

Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung werden hälftig von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Der zu teilende Beitragssatz lag in 2017 bei 18,7 Prozent des Bruttoverdiensts. Anfang 2018 wurde er auf 18,6 Prozent gesenkt. Der Gesamtbeitrag für die knappschaftliche Rentenversicherung liegt in diesem Jahr bei 24,70 Prozent gegenüber 24,80 im letzten Jahr. Die Aufteilung zwischen den beiden Parteien erfolgt hier nicht paritätisch. Im Jahr 2018 übernimmt der Betrieb 15,40 Prozent, der Angestellte hingegen nur 9,30 Prozent.

Gesetzliche Pflegeversicherung

Für das Jahr 2018 gilt in der Pflegeversicherung ein Beitragssatz in Höhe von 2,55 Prozent des Bruttolohns, welcher hälftig von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu zahlen ist. Kinderlose Abgestellte müssen darüber hinaus ab der Vollendung des 23. Lebensjahrs einen Zusatzbeitrag in Höhe von 0,25 Prozent abführen. In der gesetzlichen Pflegekasse gilt für das Bundesland Sachsen seit 1996 eine Ausnahmeregelung. Da dort der Buß- und Bettag weiterhin als arbeitsfrei gilt, obwohl er als Feiertag abgeschafft wurde, werden die Arbeitnehmer zum Ausgleich stärker an den Kosten zur Pflegeversicherung beteiligt. Sächsische Bedienstete tragen also aktuell einen Anteil in Höhe von 1,775 Prozent, der Betrieb nur 0,775 Prozent vom Bruttoeinkommen.

Hinweis: Die Beiträge zur Pflegeversicherung sind in den letzten Jahren stark angestiegen: Beliefen sie sich für Arbeitnehmer mit Kindern im Jahr 2014 noch auf 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent), waren es in den Jahren 2015 und 2016 bereits 2,35 Prozent, bevor sie 2017 nochmals auf 2,55 Prozent erhöht wurden.

Gesetzliche Arbeitslosenversicherung

Die Beitragsberechnung zur Arbeitslosenversicherung hat sich seit 2011 nicht verändert: Der Beitragssatz beläuft sich auf 3,0 Prozent, und wird gleichmäßig zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgeteilt.

Gesetzliche Unfallversicherung

Arbeitnehmer sind bei Unfällen während der Arbeitszeit über ihren Arbeitgeber gesetzlich unfallversichert. Die Beiträge werden vom Arbeitgeber gezahlt, und an die jeweilige Berufsgenossenschaft abgeführt. Die Höhe des Beitrags ist neben dem Bruttolohn des Arbeitnehmers von der so genannten Gefahrenklasse abhängig. Die Gefahrenklasse bezeichnet die Unfallgefahr im jeweiligen Berufszweig. Eine einheitliche Aussage zur Beitragshöhe ist somit nicht möglich.

Umlage U1

Ein Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, seinem Arbeitnehmer im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen seinen Lohn weiterzuzahlen. Die Lohnfortzahlung wird durch einen Pflichtbeitrag, die so genannte Umlage U1 finanziert. Die Einzahlungen erfolgen von allen Arbeitgebern solidarisch in einen „Topf“. Mit der Umlage soll gewährleistet werden, dass sich gerade kleinere Arbeitgeber die Lohnfortzahlung für ihre Arbeitnehmer im Krankheitsfall leisten können. Der Beitragssatz ist nicht einheitlich. Die Höhe des Beitrags wird von der jeweiligen Krankenkasse des Arbeitnehmers in deren Satzung festgelegt. Er beträgt je nach Krankenkasse zwischen 1- und 4 Prozent des Arbeitnehmer-Bruttolohns.

Umlage U2

Erwerbstätige Frauen erhalten während der Schwangerschafts- und Entbindungsphase Geld von Ihrem Arbeitgeber, das so genannte Mutterschaftsgeld. Steht bei einer Schwangerschaft der Mitarbeiterin die Entgeltfortzahlung an, kann der Arbeitgeber einen Zuschuss von deren Krankenkasse beantragen. Zur Finanzierung dieser Entgeltfortzahlung führen alle Arbeitgeber gemeinschaftlich einen Beitrag an die Sozialkassen ab. Diese Umlage wird als U2 bezeichnet. Auch der Beitragssatz für die U2-Umlage wird von jeder Krankenkasse individuell festgelegt, und fällt daher unterschiedlich hoch aus.

Insolvenzgeldumlage

Das so genannte Insolvenzgeld erhalten Arbeitnehmer übergangsweise, deren Arbeitgeber Insolvenz anmeldet. Hierfür muss der Arbeitgeber einen Beitrag, die Insolvenzgeldumlage an den Staat abführen. Die Beitragshöhe beträgt im Jahr 2018 0,06 Prozent. Im Jahr 2017 waren es noch 0,09 Prozent vom Bruttolohn des Arbeitnehmers. Die Insolvenzgeldumlage wird – wenn auch mehr inoffiziell – als U3 bezeichnet.

Was sind Sozialversicherungsbeiträge?

Um eine Gesundheitsversorgung für Arbeitnehmer, aber auch deren finanzielle Absicherung bei Invalidität, bei Pflegebedürftigkeit oder im Alter zu gewährleisten, entstanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts zunächst berufsspezifische Krankenkassen, Unfallversicherungen und später das Rentenversicherungssystem. Hieraus entwickelte sich schrittweise die Sozialversicherung in Deutschland, wie wir sie heute kennen. Bei der heutigen Sozialversicherung handelt es sich um unser staatliches Versorgungssystem, welches im Falle von Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Arbeitslosigkeit oder auch zur Finanzierung des Ruhestands für den Versicherten eintritt. Das System wird durch Beitragszahlungen der Versicherten (Arbeitnehmer) sowie der Arbeitgeber finanziert. Hieraus ergibt sich der Begriff Sozialversicherungsbeitrag.

Beiträge für Sozialversicherung berechnen

Typisch für die genannten Sozialversicherungszweige ist die einkommensabhängige Beitragsberechnung. Maßgeblich ist das Bruttoeinkommen, von dem die Beiträge an die jeweiligen Träger abgeführt werden. Die Abzüge durch die Sozialversicherungsbeiträge bewegen sich für einen Durchschnittsverdiener etwa zwischen 20 und 21 Prozent des Bruttoverdienst.

Im nachfolgend aufgeführten Beispiel empfängt ein Arbeitnehmer einen in Deutschland durchschnittlichen Brutto-Lohn in Höhe von 3.500 Euro pro Monat. Der gesetzlich krankenversicherte und verheiratete Angestellte (Steuerklasse 3) wohnt in Hessen, hat zwei Kinder, und ist Mitglied der Kirche. Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung wurde durchschnittlich angesetzt. Umlagen die nur vom Arbeitgeber zu leisten sind, werden nicht aufgeführt, da sie das Nettoeinkommen des Arbeitnehmers nicht beeinflussen. Sie können die Zahlen auch selbst mit unserem Brutto Netto Rechner nachvollziehen.
Beispielrechnung für einen Bruttolohn von 3.500€ pro Monat im Jahr 2018
Lohnberechnung
Monat
Jahr
Brutto
3.500 Euro
42.000 Euro
Krankenversicherung
290,50 Euro
3.486,00 Euro
Pflegeversicherung
44,63 Euro
535,50 Euro
Arbeitslosenversicherung
52,50 Euro
630,00 Euro
Rentenversicherung
325,50 Euro
3.906,00 Euro
Summe Sozialabgaben
713,13 Euro
8.557,50 Euro
verbleibendes Netto vor Steuern
2.786,87 Euro
33.442,50 Euro
Hinweis: Es werden in der Beispielrechnung keine Steuern abgezogen. Deshalb handelt es sich nicht um das Nettoeinkommen, sondern um das Einkommen vor Abzug der Steuern.

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